Im Pech lauert das Glück

Gestern Abend räumte der stürmische Wind, die Wellblechabdeckung des 10 Meter langen Holzstapels in der Weide ab. Natürlich – ich sage natürlich, weil ich Realist bin – segelten zwei direkt in den Weidezaun und beschädigten ihn so, dass die Schafe ohne weiteres hätten abhauen können. Taten sie nicht, weil sie gerade in einem anderen Teil grasten, was auch insofern nicht schlecht war, da keines von den herunterstürzenden Blechteile verletzt wurde. Glück.

Die Jungs, die diesen 2 Meter hohen Holzstapel aus frisch geschlagener Fichte errichtet hatten, hatten nicht daran gedacht, dass Holz beim trocken werden an Volumen verliert, und deswegen hat sich die Befestigung gelockert, und der stürmische Wind hatte leichtes Spiel. Und so kam es, dass ich in Regen und Wind den ganzen Scheiß wieder provisorisch abdecken durfte, im steilen Gelände, im glitschigen, nassen Gras, um danach im Anschluss den Zaun zu reparieren.
Das ist wahre Action, my friends and enemies. Es war kalt und ich war fuckin durchnässt, aber nicht unglücklich, obschon mir klar ist, dass die ganze Abdeckung von Grund auf neu aufgebaut werden muss.

Heute morgen, blicke ich aus dem kleinen Klofenster und sehe das eine weiße Schaf (von zwei, die anderen sind schwarz, was bedeutet dass dieses weiße das schwarze Schaf ist), das bewegungslos unten am Zaun verharrt. Das Hinterteil war vom Holzstapel verdeckt, die anderen Schafe waren nicht zu sehen. Nur das schon, ist verdächtig.

Um die Sache abzukürzen: Das Vieh hatte sich im Zaun verheddert. Es war kurz nach sechs Uhr morgens, und ich stieg in die schweren Schuhe, steckte den Leatherman ein, und glitschte zu dem Tier am Zaun. Ich rechnete damit, dass das Schaf sich nicht kooperativ zeigen würde, und meine Annäherung mit Fluchtversuchen quittieren würde, wie ich es einmal erlebt hatte , als ich einem jungen Reh helfen wollte, dass seiner Mutter folgend, sich im Zaun verheddert hatte. Das Tier geriet durch meine Annäherung in eine irre Panik, und arbeitete sich noch mehr in den Zaun hinein.
Während ich stehen geblieben war, und überlegte, wie ich weiter vorgehen würde, befreite sich das Reh selber. Ich hatte ein verdammtes Glück, wie mit dem Schaf, das absolut still hielt, während ich die Drahtschlingen um seinen Hals aufschnitt. Das Schaf verschwand zu den anderen, ohne sich zu bedanken, und ich fragte mich, warum es nicht Laut gegeben hatte, und dass es nur dem Zufall geschuldet war, dass ich es entdeckt hatte.
Es war Glück. Ohne Glück geht’s einfach nicht. Wer immer auch für die Verteilung zuständig ist.

Dann ging ich ins Haus zurück, und machte mir den Frühstückskaffee. Das funktioniert noch ohne Glück. Noch …