sind es in ein paar Tagen, die ich gelebt habe. Irgendwie beeindruckend, nicht? Na ja, so ein bisschen. Natürlich nicht viel im Vergleich mit Abraham der – ohne mitgezählte Schalttage – 63’ 875 Tage gelebt hat und Noah gar 346’750 Tage. Jo mei, die muss man mal füllen können, mit Sinn und Unsinn, mit guten und schlechten Tagen, mit Nichtstun und hektischer Arbeit, mit Verplempern und Katerauskuriertagen, mit Sex und Reue.
Noah brauchte so viele Tage, denn er musste die verdammte Arche alleine bauen. Ein „Mammutprojekt“ auf jeden Fall. Was Abraham so alles getrieben hat in all seinen vielen Tagen, ist schwer vorstellbar. Ich habe schon Schwierigkeiten mich an mein Zeuch zu erinnern. Vielleicht ist meine Festplatte nahezu gefüllt. «Who knows», wie der Kardiologe zu einem Herz-Patienten sagte, der wissen wollte, warum er so plötzlich zusammengebrochen war.
Ich habe fünf OP’s hinter mir. Wieviele Abraham hatte, davo steht nichts in der Bibel. Die Burschen waren alle kerngesund. Bis auf Hiob vielleicht, dem Gott ganz schön einschenkte, was Krankheiten, Qual und Leid anlangte. Aber letztlich bestand er die Prüfungen und starb „alt und lebensatt“, was mir als einziger Trost über den Tod erscheint.
Anyway, soweit isses noch nicht. Ein bisschen hat man schon was abgekriegt, obschon man noch einigermaßen gut „beinand“ ist, aber es dämmert einem, dass nicht mehr alles auf Reset zu bringen ist. Da sind nun Dinge, die nur schlimmer werden, und das einzige was man tun kann, ist dagegenhalten, damit es nicht allzuschnell geschieht. So man will. Und ich gehöre zu denen, die wollen.
Nach soviel Tagen könnte man auch Bilanz ziehen. Aber wozu? Wie sagte Thomas Bernhard: „Im Angesicht des Todes ist alles lächerlich.“ Vermutlich. Aber wie gesagt, soweit ist es noch nicht, obschon es jeden Moment soweit sein kann. „Ich weiß, dass ich sterben werde, aber ich glaube es nicht.“, sagte irgendjemand, und der Essayist Franz Schuh, lieh sich diesen Spruch aus, ohne Quellenangabe. Ein Plagiat. Ein Fall für den Weber.
Aber wo war ich stehen geblieben? Ach ja, die Bilanz. Ich würde mal sagen, es wäre schön, wenn die „Haben-Seite“ ein bisschen fetter ausfallen würde. Wie schon Epikur wusste, ist es nicht einfach ein freies Leben zu führen und dabei auch zu Geld zu kommen, und er schloss mit den Worten (so ungefähr): „Aber wenn man einmal zu ein bisschen Geld kommt, lässt sich auch eine Gelegenheit finden, es mit seinen Freunden auszugeben.“ So hab ich es gehalten. Was für Epikur recht war, kann für mich nur Pflicht sein.
Im Übrigen gilt das Wort von Clint Eastwood: „Don’t let the old man in.“
Was mich an ein Gedicht erinnerte, das ich 1998 für ein Portrait der Serie „Literatour de Suisse“ geschrieben habe, als ich beinahe prophetisch, ein Rudel alte Männer frühmorgens im Schwimmbad beschrieben habe, alle in den Siebzigern, und wie sie formvollendete Kopfsprünge vom Dreimeterbrett machten, und verschwanden als der Publikumsverkehr einsetzte. ich schrieb:
„Damals, wie heute, meine Vorbilder.“
Amen! Und happy birthday to me!
