Sauerteig-Nazi

Im „Dschungelcamp“, das für mich seit Jahren das einzig sehesnwerte TV-Dings ist, wurde gestern, für viele überraschend, die vermutlich klügste Teilnehmerin herausgewählt. Ich kann es mir nur so erklären, das sie etwas gesagt hat, was heute gar nicht mehr geht. Sie hat gesagt (sinngemäß), dass sie über Dinge, von denen sie zu wenig versteht, keine Meinung absondert.

Nun ja, das geht gar nicht. Damit steht man völlig im Abseits. Das ist vielleicht schlimmer, als die Erwähnung des Trump-Namens, ohne gleich so zu tun, als müsse man kotzen. Einer wagte zu sagen, dass ihn das „Fight, fight, fight“ von Trump, nachdem er angeschossen wurde, imponiert hat, was wiederum eine Dschungel-Mutti auf den Plan rief, die ihm höchst empört zu verstehen gab, dass ihre Kinder das auch sehen, und dass das gar nicht gehe, so ein Trump-dings-bums.

Wenn man Mutti gefragt hätte, ob sie für Demokratie ist, hätte sie gesagt: Natürlich. Und für Meinungsfreiheit? Sicher. Aber halt nur richtige Meinungen, und die richtige Demokratie, jene, die Muttis Kindern keinen Schaden zufügen.
In Anlehnung an Methusalix Ausspruch: „Ich hab nix gegen Fremde. Viele meiner Freunde sind Fremde. Aber dieser Fremde ist nicht von hier!“
„Ich hab nix gegen andere Meinungen. Viele meiner Freunde haben andere. Aber diese Meinung schadet meinen Kindern.»

Aber so wie bei Mutti ist es halt auch in der Politik. Oder wie das der Wiener Kaberettist Lukas Resetarits in einem frühen Sketch einen „Tschuschen“ zu einem „Tirk“ sagen ließ: „Imma spreggta, nix waasta!“
Gefühle reichen. Und die Gefühle von deutschen Muttis sind Axiome. Was brauch ma da noch andere Meinungen und Demokratie?

Nun, ich sollte es der klugen Dschungelcamperin gleich tun, und meinen Mund halten.
Tu ich jetzt. Und geh meinen „Sauerteig führen». Ich bin eben ein Nazi. Ein Sauerteig-Nazi …