Er wollte Schrifsteller werden, wurde Hubschrauber-Pilot bei der US-Army, und dann einer der größten Poeten ever.
Wer’ s nicht glauben mag, soll sich mal die Lyrics von „Sunday morning comin’ down“ ansehen, um einen Begriff davon zu kriegen, wie ein großer Poet aus Worten ein ergreifendes, packendes, gültiges Bild malen kann. Von diesen Beispielen gibt es viele, in seinen Songs, die von allen, was Rang und Namen hatte, vorgetragen wurden. Und viele davon wurden Hits von diesen anderen, wie z.B. „Me and Bobby McGhee“ aus der Röhre von Janis Joplin.
«But, I’d trade all of my tomorrows, for one single yesterday.»
1972 war ich sechszehn, als ich mit Filzstift auf meinem Brotsack die Zeilen «Freedom is just another word for nothin‘ left to lose“ schrieb. Damals hatte ich den Namen Kris Kristofferson noch nicht gehört, und es dauerte weitere Jahre, bis ich entdeckte, dass nicht Janis diese Worte in meine Welt geworfen hatte.
Anfang der 90er Jahre kam er nach Wien, ins Konzerthaus. Beginn: 19h30.
Da ich noch nie in Wien von Irgendetwas einen pünktlichen Beginn erlebt habe, und mir Warten zuwider ist, aber ich dennoch nicht aus meiner Haut konnte, da ich immer pünktlich bin, kam ich dann doch nur 5 Minuten zu spät.
Die Türen des Saals waren zu, Männer standen davor und ließen mich nicht hinein. Ich hörte leise Kristoffersons Singstimme. Als sie nicht mehr zu hören war, wurde ein Flügel der Tür geöffnet und ich durfte hineinschlüpfen und meinen Platz suchen.
So etwas, habe ich in all den Dekaden, die ich hier lebe, nie wieder erfahren.
Ich fands großartig.
Nun hat er in Hawaii mit 88 Jahren diese Welt verlassen.
Soll ich jetzt sagen, dass sein Werk bleiben wird?
In einer gerechten Welt würde ich es sagen …
