Heute morgen pfeift der beissende Südostwind durch die Rainergasse, es ist kalt und die niedrige Sonne schafft es gerade noch über das Palais Schönburg um mich zu blenden, damit ich die Entgegenkommenden, trotz Sonnenbrille, nur als Schemen wahrnehme.
Vor genau hundertt Jahren kam in Lowell, Massachusetts, ein Baby zur Welt, das auf den Namen Jean-Louis Lebris de Kérouac getauft wurde, und später unter dem Namen Jack Kerouac weltberühmt wurde. Vielleicht war es an diesem Tag auch sonnig und kalt. Vielleicht auch nicht.
Ich denke, es ist so ziemlich alles über Kerouac gesagt, geschrieben, getalkt worden.
Und da ich zur Zeit beinahe täglich auf dem Fahrradergometer die Briefe von Jörg Fauser und Carl Weissner lese, empfehle ich hier zur Lektüre die Briefe zwischen Allen Ginsberg und Jack Kerouac: „Ruhm tötet alles“.
Und dann haben wir noch den Roman von Anthony McCarten: „Jack“, eine Faction-Novel über die letzten, bitteren und traurigen Tage von Kerouac, geschrieben aus der Sicht seiner Tochter.
Beides eine Empfehlung.
Ich weiß nicht, wieviel ich Kerouac zu verdanken habe, aber ich schätze es ist nicht wenig. Ich mochte seinen immer von etwas Traurigkeit durchwirkten Drive, den man auch bei Hemingway finden kann und bei Fauser.
Und Kerouac konnte richtig schreiben, auch wenn die kleine geniale Giftspritze Capote meinte, es sei nicht Schreiben sondern Tippen. Aber wen hat der schon verschont? Außer Harper Lee.
