Das Nachtasyl ist nicht mehr

Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Die Nacht gewährt kein Asyl mehr. Aus. Dost. Hotovo. Ewige Sperrstund is.
Der Ort, an dem ich vor 33 Jahren mein freiwilliges Exil antrat, inmitten all der unfreiwilligen tschechischen Exilanten, wo ich ein Jahr lang die Wohnung direkt darüber bewohnt und meinen zweiten Roman geschrieben habe, der Ort, an dem ich nach dem Schreiben um Mitternacht am Tresen aufschlug, und gleich mal zwei Bier auf Ex. schlucken musste, um halbwegs auf den Level der anderen Gäste zu kommen, der Ort, den man kaum vor 4 Uhr verließ, und danach oft noch zu mir nach oben ging, um weiterzumachen; der Ort, wo jede Nacht eine verdammte Überraschung in Petto hatte (good or better or fucked up), ist dem Virus zum Opfer gefallen.

Mein vorletztes Buch, die Novelle „Das Glück der falschen Fährten“, hat das Nachtasyl als Handlungshintergrund. Wie der Roman „Die Stümper“, der von Ostermeier als der „beste Wienroman“ gelobt wurde. Und meine erste Lesung in Wien fand ebenfalls dort statt.

Wir wollen nicht trauern, denn wir alle die da unten in diesem tiefen Keller unsere Nächte zubrachten, ja, wir alle, wussten und wissen es: Selbst die Sonne wird eines Tages erlöschen.

Dobrou Noc, Nachtasy!

Floskel-Horseshit

Zu meinen Lieblingshorseshit Formulierungen gehört, abgesehen von „extrem mild“, die wunderhübsche Floskel: „Ich hätte mir vorgestellt, dass …“
Was für ein großartiger Konjunktiv!
Großartiger als: „ Ich hätte mir gewünscht, dass …»

Also, ich persönlich hätte mir vorgestellt, dass ich mir gewünscht hätte, dass ich ich es mir wirklich vorgestellt hätte!