Denunziation ll.

Sollte man ein kleines Brevier herausgeben, mit all den Briefen die der Verleger eines Pimperl Verlags so erhält? Nun ja, vermutlich gibt es das schon. „Mein Leben als Arschloch und Verleger. Ein Bericht aus dem Inneren eines Saumagens.»

Manchmal ist der Verleger sogar geneigt zu glauben, dass Autoren halbwegs der Sprache mächtig sind, in der sie schreiben. Manchmal.

«An Frechheit und Ungezogenheit fählt Ihnen kaum was noch..wie ich sehe…!Und das ich Ihnen die Ehre überhaupt mache ,zu Antworten beweisst nur meine Gutte Manieren,und…»

lieber Herr,
Ich hatte gerade gesehen das sie so alt wie ich bin…DA  muss man doch anders sein und denken..!Besonders als LITERAT,musste man höfflich und guterzogen wircken..leider ist bei Ihnen trotz Ihres Alters….vieles noch nachzubessern….schade…!Man sagt.. so Allgemein…man lehrnt nie aus…..!Bei Ihnen ist der Zug schon längst abgefahren…lieber Basler..!Grüsse aus Ulm..mein Lieber..!

Das Sprüchemuseum (78)

«Seit mehr als sechs Monaten sitzt VW-Manager Oliver Schmidt in Miami in Haft. Jetzt hat er ein Schuldbekenntnis abgegeben. Trotzdem droht ihm eine Haftstrafe.»

SPON

Wir sagen: Das ist geradezu unerträglich. Da gibt ein Krimineller zu, ein Krimineller zu sein, und trotzdem wird er bestraft?! Fuck you, Miami-Justiz! Kriminelle, die zugeben kriminell zu sein, sind unverzüglich auf freien Fuß zu setzen!

Denunziationskatalog

Die Binnen(I)-Partei, vulgo Grüne, hat sich offenbar die Böllstifttung gekrallt, und ein Online-Lexikon herausgebracht, in dem Eingang finden soll, wer alles ein Antifemininstisches Arschloch ist.

http://www.agentin.org/index.php/Kategorie:Person

Matthias Mattusek wird zum Beispiel u.a. als „bekennender Katholik“ geführt.

Ja, da geht’s zur Sache, in diesem feinen Denunziationslexikon. Und war die Denunziation nicht immer schon ein beliebter Sport der Deutschen? Und das Listenführen auch?

Ich finde, dass in dieser Liste der Buchstabe „N“, mit nur einer Nennung einfach untervertreten ist.
Hört mal her: Hab ich nicht mal irgendwo geschrieben, dass es auch dumme Frauen gibt?

Herzig

Herzig, wie man sich heute in Schweizer Medien darüber ausweinte, dass der arme Schweizer (und natürlich auch die Schweizerin und das Schweizende) im EU-Ausland Roaminggebühren zahlen muss. Das sei „ein Ärgernis“, ließ man verlauten, was in die Umgangssprache übersetzt heißt: Total beschissen und fuckin’ ungerecht.
So weinten sie bitterlich.
Könnte die Roamingkacke vielleicht auch daran liegen, dass wir, mit einem EU-Handyvertrag ausgestattet (siehe weiter unten den Eintrag: „Die Schweiz nervt“),  uns in der Schweiz dumm und dämlich (und natürlich auch herrlich) pecken, wenn  wir ins Netz gehen?
Könnte es sein? Kann es?

Terror ll.

In einem Klub in Konstanz schießt ein Mann offenbar wahllos auf Besucher und tötet einen Gast. Der mutmaßliche Täter stirbt nach einem Schusswechsel mit der Polizei – Hinweise auf Terror gibt es derzeit nicht.

Schlagzeile  SPON

Schon wieder. Kein Terror.
Trug der Mann, der wahllos in eine vollbesetzte Discothek ballerte, keinen Vollbart? Hatte er keine Flagge des DAESH umgehängt? War er nicht nachweislich Al Baghdadis Cocksucker?
Ja, dann!

Terror

«Der Mann, der in einem Hamburger Supermarkt auf Menschen eingestochen hat, ist ein abgelehnter Asylbewerber. Seine Vorgehensweise scheint wirr gewesen zu sein.»

Schlagzeile des „Tagesanzeigers»

Es ist immer wieder erstaunlich, wie beharrlich man sich weigert, ein anderes Handlungsmuster zu akzeptieren, als das rationale westliche.
Fuck, was ist wirr daran, wenn ich mir in einem Supermarkt ein Messer greife und damit auf die Umstehenden einsteche? Das ist alles andere als wirr. Das ist wirkungsvollster Terror.

Polo Hofer (1945-2017)

„Ich habe 50 Jahre lang Party gehabt“, sagte er neulich, der Polo, der Hofer, auf seinen schlechten Gesundheitszustand angesprochen. Jetzt ist sie zu Ende, die Party, zumindest für ihn, den genialen Songtexter, den einzigen legitimen Nachfolger von Mani Matter.

Er kam aus dem Ort, in dem auch ich aufgewachsen bin, beinahe Nachbarn, und Anfang der 70-er hörte ich ihn mit seiner Band „Rumpelstilz“ trainieren, einen Steinwurf entfernt, in der Garage von Hanery Ammans Elternhaus. Die Musik, die damals die Interlakner Nacht duchdrang, war pure Verheißung, um diesem alten, schönen Wort die Ehre zu geben. Verheißung: Abhauen, Drogen, Musik, Liebe, Freiheit, Rebellentum.

Und kein Song schafft es besser die süße, sehnsüchtige, unschuldige, großartige Hippiezeit einzufangen, als „D’Rosmarie und i“, als man einfach loszog, ohne Geld und Talent, neugierig, das Herz voll Tatendrang und unstillbarem Abenteuerdurst.

Roll on, Polo!

Bettler-Ferien

In letzter Zeit, wenn ich, wie meistens, vom Training schwitzend die Favoritenschlucht durchwandere, von der Post über Billa zu Hofer, eine Strecke von 150 Metern, und nicht wie sonst 5 meiner 7 Liebelingsbettler antreffe, frage ich mich intensiv, ob Bettler auch Urlaub machen. Gesetzlich, von ihren Arbeitgebern ausgelobt, oder als Freelancer, sich selber beglückend, der Einsicht folgend, dass, wenn alle Urlaub machen, es nicht lohnt in der Steppenglut der fuckin’ City dem Broterwerb nachzugehen.

Was wären denn, so frage ich in aller meiner aufbringbaren Naivität, so die Lieblingsurlaubsdestinationen, der Favoritenschluchtbettler?

Oder folgen Sie ihrer Klientel in den Urlaub nach und man trifft sie vor dem Negozio in Caorle oder dem Supermarché in Sainte Marie de la mère?

Jedenfalls hier sind sie nicht mehr.
Finde ich einerseits – pekuniär – ganz gut, aber andererseits fehlen sie mir auch. Es ist jetzt einfach noch schwieriger, ein guter Mensch zu sein.

Aber es wird ja bestimmt irgendwann Herbst, obschon nichts darauf hindeutet: Cocksuckersummer!