Im gelobten Land des gepflegten Wahnsinns

Für die Freunde des gepflegten Wahnsinns, heißt das gelobte Land wieder einmal Österreich. Nirgendwo sonst wird der Wahnsinns-Definition: «Immer die gleichen Fehler machen und erwarten, dass das Richtige dabei herauskommt» konsequenter gehuldigt, als beim Drittletzten der neuen PISA-Studie. Die Politshow, die sich jetzt wieder vor dem glasigen Auge einer nicht vorhandenen Öffentlichkeit abspielt, kennen wir in-und auswendig. Und so wird im Sparefroh-Land wieder mal klug gespart: Wozu teure Spindoctoren engagieren, die an einem neuen Auftrittsmodus feilen, wenn es doch auch genügt, die Show vom letzten Mal unter die Tiefstrahler zu wuchten?

Nach dem schändlichen Abbeißen bei PISA, stehen die Schuldigen wie immer schon fest. Es sind die gleichen, die auch für jede andere heimische Misere gerade stehen sollen. Die Ausländer. Für diejenigen, die nicht ganz dieser Ansicht sind, gibt es gar keine Misere im Bildungswesen, und /oder man hat das Resultat bereits antizipiert. Und was man in diesem Lande antizipiert, existiert nicht.Nicht wirklich. Wenn z.B. die Rechtsextremen bei der nächsten Wahl 40% der Stimmen machen, hat man «das kommen sehen», und dann «ist es keine Überraschung», und damit gemma zur Tagesordnung über. So macht man das, liebes Ausland, staune und lerne!

Einige tricky Genies, von denen es hierzulande zwölf auf’s Dutzend gibt, haben noch eine Lösungsvariante ausgearbeitet: Den PISA-Test gar nicht erst machen! Denn ein nicht gemachter Test, kann nicht bewertet werden! Grenzgenial, urteilen Sie selber.

Und nun geht’s wieder los. Das Schuldzuweisen, das Bildungsprogramme raushämmern, die Forderung nach Reformen, die niemals in Angriff genommen werden, und langsam dämmert es einigen von uns: dieser Wahnsinn hat Methode. Österreich hat gar kein Interesse an einem besseren Abschneiden, an Bildung, an mündigen Bürgern, an Intelligenz und Durchblick. Denn schon bald sollen wir alle so verblödet sein, dass wir nicht mehr merken, wie kleinlich, jämmerlich, egoistisch, unfähig,und dem Boulevard hörig, diese Regierung ist.

Und außerdem war ja nichts. Die Türkei liegt noch einen Platz hinter Österreich.

Am Tag, als John Lennon starb

Morgen vor dreißig Jahren, wurde John Lennon von Mark Chapman vor dem Dakotabuilding in N.Y erschossen. Als 1963 John F. K. in Dallas gemeuchelt wurde, saß ich zusammen mit meiner Mutter im Wohnzimmer vor dem Radio. Zwei meiner Brüder waren damals noch Babys. Es war irgendwie schlimm. Ein Gefühl, als könnte nun alles geschehen. Ein Krieg ausbrechen. Zum Beispiel. Damals kamen Attentate in Mode. Martin L. King, Robert Kennedy, Sadat usw.
Als John Lennon starb, lebte ich in Basel und hing meistens in der Stadt-Bibliothek herum, weil man dort lesen und manchmal einen Kaffee schnorren konnte. Ich hatte ein kleines Zimmer in einem ehemaligen Mädchenpensionat. In den Fluren plätscherte das Wasser aus dem Deckenstuck, und in meinem Zimmer wuselten die Schaben in Hundertschaften über die Wände. Ich fing sie mit Doppelklebeband. Die Vorstellung, dass sie mir nächtens in die Nasenlöcher kriechen könnten, war mir unangenehm.
Vermutlich war ich unglücklich verliebt.
Ich weiß noch, wie ich, nachdem ich die Nachricht im Radio gehört hatte, auf die Straße trat und mir meine letzte Gauloise ansteckte. John Lennon war tot. John Lennon war ein obszön reicher Mann. John Lennon war ein daumennuckelndes Weichei. John Lennon wollte die Welt retten. Wie ich. Und außerdem wollte ich noch rausfinden, wie man schreibt. Wie man ein Dichter wird. Das schien mir schwieriger, als die Welt zu retten.
Ich rauchte meine letzte Zigarette und stiefelte in den «Birsfelderhof». Es ging gegen elf. Wenn ich Glück hatte, traf ich eine gute Seele, die mir einen Kaffee spendierte oder mir einen Zehner lieh. John Lennon war tot. John Lennon war mir wurscht. Immer schon. Immer noch.

Psycho-Western

Es ist soweit. Ich habe mein erstes Theaterstück geschrieben. Es ist gestern, nach einem letzten Arbeitswochenende im Waldviertler Gasthof Huber, fertig geworden. Ich habe es nicht alleine geschrieben, sondern zusammen mit meinem großartigen Kollegen, Valentin Hitz. Eine reife Leistung für einen wie mich, der Theater nicht ausstehen kann. Aber neulich habe ich Harald Schmidt im Gespräch mit dem Schauspieler Gert Voss gesehen, und der erzählte, dass er Theater entsetzlich langweilig fand. Und trotzdem ist er vermutlich der größte lebende Theaterschauspieler deutscher Zunge. Und was für Schauspieler recht ist, sollte für Autoren nur billig sein.
Nebenbei habe ich auch noch ein Genre erfunden: Den «Psycho-Western». Das Stück heißt (für die Interessierten): «Grubliner».

Und am Abend sah ich dann bei «Giacobbo und Müller» den Schriftsteller Martin Suter und den Musiker Stefan Eicher antanzen, die über ihre Version des Musicals «Ewige Liebe» – die natürlich anders heißt, aber der gleiche feuchte Kitsch sein wird – plauderten und witzelten. Tja, die Eidis hams nötig. Sie wollen nun mit Gewalt in der geistigen Provinz heimisch werden, und jetzt steuern Suter und Eicher auch noch ihr Scherflein dazu bei. Grundgütiger, was’n Auftritt! Suter und Eicher! Saturiert und schwul, wie ein Foulardknotenbindeseminar mit Karl Lagerfeld und Elton John. Da sag ich nur: «Grüezi mit dä Hand!», blicke in meinen verschneiten Hinterhof, in den feingrauen Himmel, der so tief hängt, dass ich nicht mal die Jets sehen kann, und bin mit dieser elenden, unfreundlichen Stadt aufs Tiefste ausgesöhnt…

Mein bester Freund

Ich verabschiede mich für ein Arbeitswochenende in den Winter. Und wo ist hier im Osten am meisten Winter? Im Waldviertel, natürlich. Man mag mich für verrückt halten, aber so ein Winter söhnt mich mit fast allem aus.

Der Sommer ist ein von sich selbst besoffener Hurenbock auf Viagra, der am Liebsten in der Sauna vögelt. Der Frühling, ein zerknittertes, in die Jahre gekommenes Mädchen, dass aus Geiz die Intimrasur versemmelt hat, und der Herbst ein goldiges Kerlchen, das dir die Rechnungen für Viagra und Intimrasur präsentiert. Aber der Winter! Der Winter ist ein wahrer Freund. Großzügig, warmherzig, nachsichtig und kühl-vernünftig. Ein Spaßmacher auch, ein Bursche, der nicht viel von Konventionen hält, ein gutmütiger Anarchist, der den jungen Wein genießt und Schneebälle auf Autos wirft. Wie gesagt: Mein bester Freund!

«Nacktwanderer ausgeschafft»

Wer sich auf die verhaltensoriginelle Homepage http://www.kriminelle-auslaender.ch/ begibt, und dort den «kanton-appenzell-innerhoden» anklickt, bekommt prompt die Stastik, der, von Ausländern verübten Verbrechen, geliefert.
Es sind genau: 0. (In Worten Null)
Der Zwergenkanton, dem ein Teil meiner Vorfahren entstammt, war an zweiter Stelle mit der Annahme der «Ausschaffungsinitiative», und zwar mit fast 66% Zustimmung und einem Ausländeranteil von knapp 10 %, weit unter der Hälfte des Kantons Basels Stadt, der die Initiative abgelehnt hat.
Ein weltweit bekanntes Phänomen. Auch der Antisemitismus kommt ja ganz ohne Juden aus.

Die armen Appenzeller, denk ich mir.
Jetzt haben sie sich so ne geile Kanone gebastelt um damit auf all die schrägen Vögel zu ballern, und die lassen sich nun einfach nicht blicken. Huerä Seich, säb denn scho. Jo welewäg! Aber das passt ja gut ins Bild dieser Ausländer: Wenn man sie mal braucht, sind sie nicht da!
Aber das Appenzellerland ist beliebt. Auch bei Wanderern. Einige kommen daher, und stiefeln födleblutt (nackt) über die Alpweiden. Ausgestattet mit Sonnenhut, Rucksack und Wanderstiefeln. Das mag man nicht. Man hat es darum verboten.
Und nun keimt neue Hoffnung im Land. Viele der «Nacktwanderer» stammen ja aus dem «großen Kanton» (Deutschland). Und der ist immer noch Ausland.
Also, ihr lieben Freunde der Ausländerkriminalität: Der nächste Sommer kommt bestimmt.

Zum Schluss noch ein Kommentar des (leider verstorbenen) bayrischen linkslinken Schickimicki-Extremisten Franz Josef Strauss: «Vox Populi, Vox Rindvieh!»

Bravo, Schweizer!

Als in den siebziger Jahren der russische Dichter Alexander Solschenyzin aus den Gulags entlassen wurde, führten ihn seine Reisen auch in die Schweiz. Überliefert ist jedenfalls, dass er die Schweizer als «bornierte Lakaien» bezeichnete, was den damaligen Lautsprecher der «Vox populi», die Boulevardzeitung «Blick» veranlasste, Solschenyzins Steuererklärung zu publizieren. Meine Güte, was haben wir gelacht! Diese Hilflosigkeit war geradezu anrührend. Die Steuererklärung! Sie belegte, dass der Russe mit seinen Büchern (auch in der Schweiz) Geld verdiente. Und wer die Schweizer kritisiert, muss bettelarm sein. Oder wie? Oder was?

Nun hat eine Rechts-Partei bewiesen, dass es unter Einsatz von zweistelligen Millionenbeträgen möglich ist den öffentlichen Raum ganzflächig mit dämlichen und reißerischen Plakaten zuzukleistern, und damit einen grenzgenialen Abstimmungssieg einzufahren: 52,9 %. Sapperlot aber auch! Und das bei einem Orchideenthema wie Ausländerkriminalität! Bravo,kann man da nur rufen. Wer hätte das gedacht?

Im selben Abstimmungszug kauerte dann auch noch die «Steuerinitiative» im 1. Klasse Abteil und kaute auf den Fingernägeln rum. Sie sollte den Steuervorteilswettbewerb der Kantone etwas regulieren. So was kommt nicht gut. Vor allem nicht in jenen Kantonen (Urkantone genannt), die sich am meisten ins Zeug legen, um die kriminellen Ausländer «auszuschaffen». Das ist nur logisch und folgerichtig. In der Schweiz will man nicht, dass reiche Russen mit der Herzensbildung von Zuhältern und deren Dämchen im Schlampenpelz, von armen Ausländern möglicherweise noch bestohlen werden. So fügt sich eins ins andere. Und der Weltwoche Verleger Roger Köppel wird wieder durch die deutschen Talksendungen tingeln und den «Schwooben» wortreich die Segnungen der direkten Demokratie ans Herz legen, derweil in seiner Heimat, im Parlament, darum gerungen wird, wie man dem scheel blickenden Ausland irgendwie verklickert, dass man jetzt leider, leider, den Schwarzfahrer aus Hamburg, den Ladendieb aus Mailand, den betrunkenen Pistenrowdy aus Schweden, wieder nach Hause schicken muss. Forever.

Oder doch nicht? Oder wie oder was?

Jedenfalls: Bravo!

Macho heißt «Männchen»

Letzte Nacht geschah etwas sehr Schönes. Es erfüllt mich mit tiefer Befriedigung, und die Freude tuckert in mir, wie ein Fisch-Kutter mit großem Fang auf Heimatkurs.

Gestern Nacht wurde die Absicht des Zwergenkönigs mit dem Pferdetritt, Arthur Abraham, auch den Weltmeisterschaftsgürtel im Supermittelgewicht (Version WBC) zu erringen, eindrucksvoll vereitelt. Der Machoschlumpf mit der Panzerfaust wurde systematisch durchgebläut. 12 Runden lang. Von wem ? Von Superman? Ach nein. Ein Engländer namens Carl Froch besorgte es. Nun, dann war es der Mann mit dem Überhammer, mit den Zwillings-Stingern anstelle der Fäuste? Nö. Aber dann der gefinkelte, abgefeimte,mit allen Wassern der Boxkunst gewaschene Techniker? Abermals nein. Es war nur ein Mann der seinen Kopf zu gebrauchen wusste. Einer, dessen Selbstvertrauen ausreichte um zu erkennen, dass ein Mauer zertrümmernder Hammer nicht ausreicht, um der Ringintelligenz das Licht wegzuklopfen, dass ein Macho im Ring nur das ist, was er im Wortsinn darstellt: Ein Männchen.

Halleluja!

Ich glaube, ich bin jetzt tot

Gestern geschah etwas trauriges. Ich verlor auf einen Schlag etwa 250 Freunde. Es war, als hätten sie alle in einem Airbus gesessen, der im Bermudadreieck verschwunden wäre. Sie sind alle noch irgendwie da, aber in einer anderen Welt. In Facebook.

Eigentlich ist es so, dass ich verloren gegangen bin. Ich bin es, der draußen ist. Es ist wie tot sein. Das Leben geht ohne mich weiter. Meine Freunde werden sich weiterhin mit wichtigen Informationen versorgen, wer gerade joggen war, und wer gestern ein Straßenschild mit seinem Namen drauf entdeckt und fotografiert hat, und wessen Hund einen Floh gefunden und totgebissen hat, und der nun seine Freunde anfragt, was er denn unternehmen solle: Beerdigung, Hund bestrafen oder einfach ignorieren?

Jetzt wo ich all das aufschreibe, frage ich mich wieder, wie es mir gelang diesen ungeheuren Mut aufzutreiben, diesen verwegenen Schritt zu setzen? Ich weiß es nicht. Die Trauer umfängt mich wie die dicken Arme eines Sumoringers, sie pressen mir die Luft aus der Brust. Ein Tor! Fürwahr!

In Hinkunft lebe ich auf der dunklen Seite des Mondes, jenseits von Microsoft und Silicon Valley. Trotzdem habe ich in der kurzen Zeit meiner Mitgliedschaft bei FB, meine Spuren hinterlassen. Unauslöschlich, wie ein verdrossen herumstapfender T-Rex im Jura. Oder sonstwo.

Ich habe viel gelernt. Zum Beispiel, dass Kunst eine Religion ist. Und dass es Kunst-Taliban gibt. Banalitätenmaniker, und dass Bedeutungslosigkeit kein Argument gegen Egozentrik ist. Dass Freundschaftspflege ein Beruf ist, der einem alles abverlangt. Das Heischen um Aufmerksamkeit, so anstrengend wie ein Kassierjob bei Aldi. Nun ja. Ich hab’s hinter mir. Ich bin tot.

Ich begnüge mich wieder, very oldfashionend, mit meinen atmenden, schreibenden, trinkenden, leidenden, sich freuenden, verzweifelnden Freunde.

Ich glaube, man wird meinen Abgang nicht mal bemerkt haben. Und das ist auch gut so.

Ungarische Nazis nehmen Einfluss auf die Meinungsfreiheit in der EU

Der ungarischstämmige, in Österreich lebende Publizist, Paul Lendvai, hat ein Buch über Ungarn geschrieben. Titel: «Mein verspieltes Land». Es ist ein richtiges Buch, keine Lobhudelei. Das passt der vaterländischen, antisemitischen Rechten Ungarns nicht. Lendvai ist Jude und Intellektueller. Die Böll-Stiftung in Frankfurt sagte aus Angst vor Gewalttätigkeiten eine geplante Lesung ab. In Frankfurt, notabene, nicht in Hegyshalom oder Budapest. In Zürich, wo Lendvai sein Buch im Oktober präsentiert hatte, war es zu – nicht näher beschriebenen – Protesten gekommen.

Ist es wieder soweit? Lässt man sich von SA-affinen Schlägertrupps oder angedrohter Gewalt von Nazisschen wieder einschüchtern? Wenn ein 27. Liga Club Fußballspiel vonstatten geht, zahlt der Steuerzahler den Polizeieinsatz ebenso, wie für die großen Clubs. Aber um die Freiheit der Meinung zu schützen, ist niemand da? Vielleicht kein Geld? Oder fehlt es nur am Mut der Veranstalter? Es sieht so aus.

Wenn Salman Rushdie kommt, werden im ganzen Land die Ordnungskräfte in Alarmbereitschaft versetzt.

Ach ja. Rushdie kritisiert den Islam, und nicht die Regierung eines EU-Staates…

Wut

Im Flughafen Wien vergeigen die zuständigen Manager ein Mörder-Monster-Projekt, es heißt Skylink, und es wird doppelt so teuer wie voranschlagt. Aber dies sind nur die wohlmeinendsten Schätzungen. Das Ding hinkt Jahre hinter dem Fertigstellungsdatum hinterher. Für die Manager gilt «Unfähigkeit» nicht als Kündigungsgrund. Das bedeutet: Werden sie entlassen, ist in jedem Fall ein Millionenabfindung fällig. Und sie sind unfähig. Und alle wissen es. Man wusste es schon, als man sie einstellte. Wer stellte sie ein? Politiker. Es waren Pöstchen zu vergeben. Dieses System ist bis auf die Knochen korrumpiert. Eine abgefeimte Schicht von Günstlingen, Schwanzlutschern, Schlappschwänzen, Adabeis, unsäglichen Nieten, verlogenen Politikern und Nepotisten ficken uns in die Nasenlöcher. Gleichzeitig versucht man uns mit Kulturschrott und Gaga-Medien dermaßen blöd zu erziehen, dass wir all das nicht merken.

Noch merken es einige. Sie wählen mitunter die Nazis.

Unsere Zukunft sieht aus wie die Gegenwart Italiens. Kurzfristig. Längerfristig müssen wir unseren Blick in das faschistische Rußland wenden. Stimmt’s Genosse Schröder?

Jedenfalls, wir dürfen all das zahlen.