Der nächste Idiotenkrimi


ist unterwegs, und ich verkneife es mir, den Namen des Tippers zu verraten, den schreiben kann man den Stiefel nicht nennen. (Hab was im Radio gehört) Aber er ist halt berühmt, und er ist ein Guter und er steht auf der richtigen Seite, also wird das Ding rauf und runter beworben werden, wie es einem Ding eines berühmten Guten, der auf der richtigen Seite steht, zusteht.

Hier der Waschzettel:

«Ein schockierendes Verbrechen – und alle werden es sehen

Die 16-jährige Lena Palmer verschwindet spurlos. Drei Tage später taucht sie in einem verstörend brutalen Video wieder auf, welches in atemberaubendem Tempo viral geht. 

BKA-Kommissarin Yasira Saad soll Lena finden und die Täter identifizieren. Ihr bleibt wenig Zeit, denn schon gibt es erste gewalttätige Demonstrationen in deutschen Städten. Eine rechtsradikale Gruppierung namens »Aktiver Heimatschutz« gewinnt rasant an Zulauf. Kann Yasira die Täter verhaften, bevor der Lynchmob zuschlägt und der Rechtsstaat zu wanken beginnt?»

Er soll unglaublich spannend sein dieser Krimi, wahnsinnig spannend, kaum auszuhalten sei diese Spannung.

Ich wage einen Spoiler, obschon das Buch noch nicht erschienen ist:

Die Tote soll angeblich von MIgranten umgebracht worden sein, und nun planen pöse Nazis Rache. Aber, darauf wettte ich, wird sich herausstellen, dass es gar keine Migranten waren, sondern die pösen Nazis, die die Sache inszeniert haben, um sie jenen in die Schuhe zu schieben, damit endlich das Volk sich erhebt und endlich die untätige Regierung zum Teufel jagt. Und so weiter und so fort.

Wetten?
So funktionieren deutsche, superspannende Krimis. Genau so.
Als würden sie alle von Herbert Grönemeyer simuliert.

Seid brav und blöd, und kauft das Buch!

Blog-Kommentare

Wenn ich mit Freunden, Bekannten oder auch sonst Menschen spreche, die hin und wieder oder reglmäßig meinen Blog lesen, so bekomm ich fast immer folgenden Satz zu hören: „Ich bin nicht mit allem einverstanden, was du da schreibst.“

Okay, denke ich mir, warum sagst du mir das? Nicht mal ich selber bin immer einverstanden, mti dem was ich schreibe. Und wenn ich, was ich manchmal tue, Einträge von vor mehr als zehn Jahren lese, bin ich ein entschiedener Gegner meiner geäußerten Ansichten, Meinungen, Polemiken usw. (Ja, diesen Blog gibt es seit 2009. Also 15 Jahre, und er ist umsonst, oder besser, gratis zu konsumieren.)

Warum, frage ich mich, ist es wichtig, mir mitzuteilen, dass der oder die Leserin nicht mit allem einverstanden ist, was ich von mir gebe?
Seltsam. Ich setze das voraus, und finde es eigentlich nicht erwähnenswert. Und da niemand für das Lesen des Blogs bezahlt, ist mir die Meinung der Leser auch relativ blunzen.

In den Anfängen, gab es eine Zeit in der geneigte Leser (weibliche sind mitgemeint) kleine Beiträge leisteten. Und dann erfand ich den „Autor als Jukebox“ und man konnte sich für einen kleinen Betrag ein Thema aussuchen, zu dem ich dann einen Text verfasste.

Funktionierte eine Weile. Dann schlief das Ding wieder ein. Wer weiß warum. Vermutlich war die Kundschaft nicht zufrieden mit meiner Arbeit, oder sie wandte sich relevanteren Dingen zu.

Wie dem auch sei: Ich muss jetzt Schluss machen, sonst wird der Eintrag zu lang. Denn wie habe ich auf der Drehbuchakademie gelernt: „Niemand will lesen.»

Ein Tag im Leben eines Autor-Amateur-Bergbauern

Tagwache: Zwischen 5:30 und 6:30
Tenue: Casual
Einfeuern des Boilers, da der Mann später wie Sau aussieht, stinkt wie ein Iltis und eine Dusche braucht.
Aufsetzen des Kaffes. Einschalten von Radio und Laptop.
Frühsport: Liegestütz 20 plus
Frühstück: Kaffee mit Kaffeerahm
Zeitungslektüre
WC-Besuch.
Schreibpensum. Diesmal :Lektorat
Fertig für die Hacken.
Tenue: Kurze Hose, Wanderschuhe. Poloshirt mit entfernten Ärmeln.
Mäharbeiten.
Pause und vorbereiten des Mittagessens.
Diesmal: Olma-Bratwurst mit Ratatouille.
E-Mail-Check und Schreiben.
Nickerchen

Nachmittag:
Holzen. Metrige Stücke in 33,33 Schneite schneiden und im Schuppen schlichten. Dauer 2- 3Stunden.

Pause mit einem Cynar.

Dusche. Tenue Casual

Ab 17 Uhr auf dem „Blutgerüst“ (Terrassee mit Rundumaussicht) „ins Land einischauen“ und dabei ein großes, fettes, beschlagenes Glas Weißwein vom Genfersee trinken.
Erste Glücksgefühle.

Abendessen.
Wie immer: Salat. Mit Tomaten, Gurken, Fenchel, Chicoree, Oliven und Ei. Kleines Glas Wein dazu.

Blöd abhängen und irgendwelchen Shit im Internet Bedeutung verschaffen.

Ab 20 Uhr
Gemütliches Beisammen auf dem Balkon mit Rye, Bourbon, einem kleinen Bier, Fledermäusen, Vögeln, Fuchs und Dachs. Und mir.
Zweite Glücksgefühle, da ich alles geschafft habe, was ich mir vornahm.

23 Uhr
Lichterlöschen.

Wenn ich heute Nacht

auf dem Balkon sitze, ein Glas Rye in der Hand, und einen leisen Ben Webster aus der Soundbox höre, der nicht das Rauschen des Wasserfalls übertönt, dann denke ich an euch, an euch alle, in den europäischen Städten, in der das nationalistische Gebrüll und Gehupe von türkischen Autocorsos die Luft erzittern lässt. All night long.

Aber da kann man nix machen, denn wir haben ja längst kapituliert vor dieser Art von Gewalt.

Und wenn wer es wagen sollte, mit einer Flagge der Mannschaft die dereinst die Türkei aus dem Turnier kegelt (es möge bald sein), durch Favoriten zu gehen, der wird diesen Abend kaum überleben.

Das Sprüchemuseum (163)

«US-Popstar Chappell Roan: «Ich bin eine Dragqueen – ob es dir passt oder nicht»

Annabelle

Was ne Ansage! Und ich bin ein alter weißer Cis-Mann, ob es euch passt oder nicht. Passt es?

Ich sage nichts

Die Nachricht: Ein 19-jähriger Afghane sticht von hinten ohne jeden ersichtlichen Grund eine 41-jährige Frau nieder, die auf einer Parkbank sitzt.
Ich poste dazu: Ich sage nichts …

Der Post wird gecancelt.

Der Post ist das weiße Blatt Papier, das eine Frau in Russland auf einer Demo gegen die Regierung in die Höhe hielt, und sofort verhaftet wurde.

Interessant, dass das auch hier, bei uns, zu verfangen scheint. Wer sagt, dass er nichts dazu sagt, sagt etwas falsches, unangebrachtes, unaständiges, demagogisches, antiwokes. Man könnte ja denken, der denkt sich etwas.

Honi soit qui mal y pense, wie der Berner Oberländer sagt.

Der D-Day wird 80

Heute vor 80 Jahren opferten viele tausend junge Amerikaner ihre jungen Leben an der Küste der Normandie, damit wir fuckin Euros, diesen Nazidreck loswürden.

Ich bin immer noch voller Dankbarkeit für diese Soldaten, die sich letztlich, ohne dass ihr Land direkt angegriffen wurde, gegen den Nazifaschismus stemmten.

A thousand thankyous, dear Amis. You were heroes.

Ich fürchte, dass wir dieses Mal gegen den russischen imperialistischen Faschismus selber klar kommen müssen. Und gegen den Drecksislamismus, den hauseigenen Nazischeiß, und den woken Linksshit.

Ist gerade ein bisschen viel.
Aber für die Helden an der Küste der Normandie, war es auch nicht gerade wenig …

Vermutlich bin ich Geschäftsmann

Nach fast zwanzig publizierten Büchern, fühle ich immer doch diese klamme Unsicherheit, falls ich nach meinem Beruf gefragt werde, Schriftsteller zu sagen. Es hat sich in all den Dekaden nicht das Geringste daran geändert.

Es ist mir immer noch peinlich. Als deklarierte ich mich als Angeber. Oder als Idiot. Oder angeberischer Idiot. Ich mag Leute nicht, die nach dem Beruf fragen. Ich tue es nie. Ganz im Kantschen Sinn: Was du nicht willst, das man dir tu, füg auch keinem anderen zu.

Vielleicht sollte ich mal mit meinem Therapeuten darüber reden. Aber ich habe keinen. Das mag auch daran liegen, dass der mich bestimmt fragen würde, was ich von Beruf bin.

Schriftsteller? Da wusste schon Fauser die richtige Antwort zu platzieren: „Schriftsteller? Was für ein großes Wort. – Ich bin Geschäftsmann.“

Schriftsteller? Sind das nicht die Leute in Lederschuhen und mit Büchern aus Papier in den Händen, in einer Welt, wo alles Sneaker trägt und iphones an den Griffeln?

Das ist etwas, was ich an den Leuten im Gym so schätze: Man kennt sich, man redet hin und wieder, und keiner fragt dich nach dem Namen und niemand nach deinem Beruf.
Dafür bin ich dankbar. Für viele ist es schon weird, dass ich mit einem 700 Seiten Buch auf dem Ergometer sitze, wo doch alle Welt Kopfhörer trägt und Tiktok-Filmchen anstarrt.

Schriftsteller? Wolf Wondratschek hat, meines Wissens, ein dickes Buch geschrieben, dass nur in einem einzigen Ex. manifest ist. Eine Auftragsarbeit. Und er ist der einzige bekannte Autor dem ich glaube, dass er auch schreiben würde, wenn er nicht gelesen würde. Im Gegensatz zu jenen vielen berühmten Kehlmanns, die das auch immer wieder mal behaupten.

Ich glaub ihnen kein Wort.

Schriftsteller? Ich nehme meine Arbeit (wenn man das Schreiben denn als solche bezeichnen möchte) ernst. Aber das Resultat betrachte ich distanziert und meist mit Ironie, wissend, dass es nicht so gut ist, wie ich dachte, dass es werden würde.
Wenn ich dann aber doch hin und wieder eine Stelle entdecke, die mir wie wirkliche Prosa erscheint, freue ich mich.

Für einige mag Hemingsway Diktum gelten: Es gibt nichts zu schreiben. Alles, was Sie tun, ist, sich an eine Schreibmaschine zu setzen und zu bluten.

Für mich gilt der erste Satz, aber der zweite nicht. Ich ersetze ihn durch diesen: Versuchen Sie so viel wie möglich, mit all Ihrer Kraft ganz am Leben zu sein, und wenn Sie lachen, lachen Sie wie die Hölle. Und wenn du wütend wirst, werde gut und wütend. Versuchen Sie, am Leben zu sein. Du wirst bald genug tot sein.

Ich bin Geschäftsmann. Kein sehr erfolgreicher, aber doch einer.
Frag eingfach nicht …


Ein Tipp

Wer sich bislang der Illusion hingab, dass er im Selbstverteidigungskurs, im Karate Dojo, im Tsiu-Tsitsu- Feriencamp, im Fit-Boxen und im Krav Maga-Seminar, die Kunst erlernen könne, einen Messerangriff abzuwehren, möge sich bitte dieses Video ansehen, und dann die Kurskohle ansparen um sich eine großkablibrige Faustfeuerwaffe und Mannstoppmunition zu besorgen.

https://www.youtube.com/watch?v=VmE6ZVoye-c

Ein Dichterleben. – Friedrich Hahn.



Wieder einmal in der Porzellangasse, d. h. in diesem Grätzel, unterwegs zur Buchpräsentation von Friedrich Hahns „Ein Dichterleben“.
Es ist kurz vor sieben, es ist warm (für mich ist es heiß), die Restaurants sind innen und außen gefüllt. In den Schanigärten sitzen vor allem junge Frauen. Sie sehen, mit ihren hartglatten Engelsgesichtern aus wie Schwestern von Lena Schilling und Luisa Neubauer. Und als ausgewiesene Individualistinnen tragen alle Sneakers an den Füßen und Handys an den Händen.

Im „Ährlich“, einem hellen MIni-Café trägt man – old school-mäßig – noch Schuhe. Wie konventionell ist das denn! Auf den Tischen keine Phones. Wo bin ich hier? Auf einer Zeitreise?
Gewissermaßen.
Friedrich Hahn hat sich mittig plaziert, begrüßt alle Eintretenden persönlich. Es sind nicht ganz zwanzig an der Zahl. Und sie sind, wie Hahn selber, Schuhträger, also schon fast nicht mehr dieser Welt zugehörig. Achtung –Bullshit!

Ein Dichterleben. Was soll das sein? Blaise Cendrars war ein Dichter, Francois Villon, Rilke, Verlaine und Rimbaud, Bert Brecht, Else Lasker Schüler, Gottfried Benn und Patti Smith. Und natürlich: Friedrich Hahn. Was, frage ich, wäre unter den Genannten das Gemeinsame? Außer dass sie alle Schuhe und keine Sneaker trugen? Und alle Gedichte schrieben, Bücher publizierten, mit sehr unterschiedlichem Erfolg, sehr unterschiedlicher Resonanz und ebenso unerschiedlich eingefahrener Anerkennung?

Und hier sind wir bereits beim ersten Thema von Hahn: Die Anerkennung. Die mangelnde Aufmerksamkeit für seine vielen, vielen veröffentlichten Bücher, und der Mühsal trotz Reputation und Belobigung einen Verlag für seine neuesten Arbeiten zu finden. Dies sei keine Klage, betont er. Aber, finde ich, da darf der Dichter ruhig klagen. Der Klempner jammert auch, wenn er keine Aufträge kriegt. Also warum nicht die Dichter?

Die Vorstellung seiner selbst, liest er vom Blatt. Es sind die Titel seiner Bücher. Es dauert ganz schön lange.

Hahn liest ruhig, klar und gut. Es sind Texte eines Dichters, der, wie es den Anschein macht, kaum etwas anderes zu tun hat, als zu dichten, zu schreiben und zu lesen. So sind es auch Texte über andere Autoren. Knausgard, zum Beispiel. Bücher entstehen aus Büchern. Das mag hier besonders zutreffen. Vielleicht die beste Story, zumindest die berührendste, ist jene, in der Hahn einen Bekannten porträtiert, einen Trinker und Verzweifelten, der (nach einem Training an der Waffe) Suizid begeht.

Oder die Stelle hier. Vielleicht die Schlüsselsätze::

«Abgründe, wohin man schaut, wohin man tritt. Klar…-man kann dagegen mit eigenen Geschichten anschreiben, über sie hinwegschreiben. Doch was nützt es? Abgrund bleibt Abgrund. Aber immerhin ist er mit der eigenen Geschichte dann auch der eigene Abgrund. So gesehen gehört es zum Schwierigsten und zugleich Gefährlichsten, Schriftsteller zu sein. Aber noch schwieriger und gefährlicher ist es -zumindest für mich- keiner zu sein.»

Ja klar, das Alter, die Krankeit(en), der Tod. Wie auch nicht. Wir tragen Schuhe. Und Hahns Querenzia ist, so paradox e erscheinen mag, sein „welkes Bein“, das ihn von weiteren Zumutungen und Unbillen der Existenz irgendwie beschützt.

Des Dichters Lesetiming ist geradezu exellent. Alle waren gut unterhalten, und als es ans Bücher kaufen ging, hielten sich die Schuhträger nicht zurück. Da dürfte es keine Klagen geben.

Als ich wieder durch das Grätzel spazierte, um einen D-Wagen zu kriegen, machte es mir nichts aus, nicht mehr jung zu sein. Im Gegenteil.
Ein Dichterleben? Viele Dichterleben. Viele unterschiedliche Dichterleben. Was ist die Gemeinsamkeit?

Wie sagte der namenlose Autor im Roman „Alte Schule -Blumberg 3“ im Gespräch mit einem Musiker:
„Zwei Leser in zwei Tagen, das war schon bemerkenswert. Mit einem dritten würde ich vermutlich Beute des Größenwahns.“
„Sind sind aber ziemlich selbstkritisch …“
„Wie man’s nimmt. Ohne Selbstironie ist der Job nicht auszuhalten. – Wie steht’s bei Ihnen?»