Hitler, abschließend

Damit wir das Thema wechseln können, da kein Ende in Sicht ist, verschaffen wir dem geneigten Hitlerfan und Hitlerjunkie einen Überblick über das TV-Programm von nächster Woche. Es ist für alles gesorgt. Besonders der Mittwoch wartet mit einer fetten Extradosis auf. Nun denn: Gut Schuss!

17. Jan. – Hitler und Ludendorff-der Gefreite und der General
18. Jan. – Vater, Mutter, Hilter- Vier Tagebücher und eine Spurensuche
19. Jan. – dito & – Hitler vor Gericht &
Mega-Projekte der Nazis – Hitlers Kampf-Flieger
– Hitlers Polizei
20. Jan.  – Alles wird wiederholt
21. Jan. – Wiederholung der Wiederholungen
22. Jan. – Die Suche nach Hitlers Volk
23. Jan. – Alles zusammen & Hitlers Vollstrecker- Das Volksgericht und der Widerstand und als besonderes Schmankerl: Hindenburg – Der Mann, der Hitler zur Macht verhalf und zum Dessert:
Hitler und Mussolini – Eine brutale Freundschaft
24. Jan. – Die Wiederholung der Wiederholungen der Wiederholungen.

Abschließend noch ein Tipp für unsere Filmschaffenden: Falls gerade kein geeigneter Stoff zur Hand, falls ihr Kopf müde und leer, falls die Ideen einfach nicht kommen wollen und/oder ihr Filmprojekt schon wieder nicht mit öffentlichen Geldern subventioniert wurde, dann, werter Filmschaffender: take it easy, take a Hitler. Das zieht immer. Der Markt ist unersättlich. Film heil!

Die Hitlerei heute, im TEVAU

21:17 – 22:00
TAG24

Hitlers Schloss in Schlesien

Doku

22:30 – 23:10
ZINFO

Die Suche nach Hitlers Volk

Doku

23:10 – 23:55
ZINFO

Die Suche nach Hitlers Volk

Doku

Wir habens gesagt: Jeder Tag sorget vielleicht nicht für sich selber, aber bestimmt dafür, dass der Süchtige seine Dosis Hitler bekommt.
Wir hätten noch Titelvorschläge für weitere Dokus, falls mal die Ideen knapp werden (womit aber niemand wirklich rechnet:
– Die Wahrheit über Hitlers Tagebücher. Gibt es sie doch?
– Hitlers Beschwerden: War er impotent?
– Hitler und sein geliebter Blondi. Eine tierische Soap.
– Schrecklicher Verdacht: War Hitler Sodomit?
– Hitlers unbekannte, dunkle Seite: War er Philosemit?
– Neueste Forschung bringen es ans Licht: Eva Braun schrieb Hitlers Reden.

Nicht zu vergessen, die linke Wochenzeitung WoZ:

Und dass sich die Löhne der Eishockeyprofis organisieren, ist vielleicht eine Schweizer Eigenart. In anderen Ländern tun sich eher die Spieler organisieren…

Hitler als Wertanlage

Auch unsere Redaktion hat sich gleich eine dieser € 120.- Ausgaben von „Mein Kampf“ besorgt. Gerade noch rechtzeitig. Das bibliophile Ding ist nämlich bereits ausverkauft. Hitler ist Nr. 3 auf der Amazon Bestseller-Liste und steigt. Eine gebrauchte Ausgabe kostet bereits 350.-
No, wer hätte das ahnen können, wer? Ihr Vollwappler, ihr depperten!

Da Eichinger tot ist,  Knopp nachlässt und die Furtwängler langsam zu resch für die Eva Braun wird, also jene, die verlässlich dafür gesorgt haben, dass immer eine Hitlerei auf irgendeinem Öffrechtl. Sender zu sehen ist, musste was Neues her.

Da ist sie nun. Fesch. Klasse. Eine kommentierte Ausgabe des ewigen Bestsellers.
Schaut toll aus, das Ding. Fast so gut wie unsere Bleisatz-Ausgabe der Montaigne-Essays vom Eichborn Verlag. Und daneben hat Oldie den Hitler auch platziert.
Ja, jetzt prangt Hitler neben Montaigne, und Marky Mark meinte, dass Hitler ja irgendwie ein deutscher Philosoph gewesen sei, das würde, sagte er, vielleicht erklären, waum die Deutschen nicht von ihm lassen können.

Pepita, die einen deutschen Patenonkel hat, weinte vor Rührung als Oldie ihr die prächtigen Burschen zeigte, wie sie einträchtig nebeneinander stehen; der eine in Blau, der andere in Grau: gewichtig, cool und sehr bedeutend.
Nur Lady äugte misstrauisch über ihr Crystal Meth-Säckchen und meinte:“ Mechte nicht Schickelgruber neben Montaigne stehen haben. Muss wieder weg!»

„Keine Sorge, Madame“, sagte Oldie freundlich. „Der Preis steigt noch immer. Du weißt ja: Hitler war schon immer eine Wertanlage in Germany. Seit Jahrzehnten keine Bestssellerliste ohne ihn, kein Abend ohne TV-Filme, die nicht den Massenmord mit seiner vergrößerten Prostata oder seinen eingewachsenen Daumennägel erklären. Und jetzt halt ein edles Buch. Bei 500.- verkaufen wir. Einverstanden?“
Lady sagte nichts, aber ihr Blick ging nach innen,  zurück in Zeit und Raum, weit und tief, und was sie da sah, gefiel ihr nicht.

Liebe Polizei

Liebe Polizei von Leipzig,

einem festgenommenen Gewalttäter, einem Randalierer und Hooligan auf Zerstörungstrip, fesselt man die Hände auf den Rücken, nicht vorne.
Habt ihr das vergessen? Oder wurde euch das abgewöhnt, als man euch zu einer Art Schülerlotsen umschulte?
Man will ja niemanden wehtun, könnte ja der Nachbar sein – wir verstehen…

Junger Mann

„…Alles was ich hier sah, war so enervierend geistlos und tot und von arroganter Sicherheit, dass ich mir wünschte, eine Bombe würde hochgehen und alles in Stücke reißen…  Je länger ich sie ansah, umso klarer wurde mir, dass ich nichts, absolut nichts mit ihnen gemein hatte: nichts, was sie sich erträumten würde ich je erträumen, keine ihrer Sehnsüchte glich einer der meinen; keine Liebe, kein Hass.
Wenn ich es könnte, ich würde sie töten. Aber da ich es nicht konnte, musste ich versuchen ihnen aus dem Weg zu gehen. Das war die ganze Wahrheit …»

Aus „Stern“ / Roman, Nautilus 1989

Tolle Sätze (2)

Laut vorläufigen Ergebnissen wurde die Frau erdrosselt, ihr Kopf war in einen Betonklotz eingemauert.

(Der Standard)

Nach einer alkoholisierten Autofahrt wurde er zurück nach Albanien abgeschoben, wo er sich als Kellner in Berlin bewarb.

(Süddeutsche Zeitung)

Höllenpflaster

Es ist wieder soweit: Das Geisteszentrum füllt sich mit jenen, die den Weg zur Hölle mit ihren guten Neujahrsvorsätzen pflastern. Man braucht sich ihre Gesichter nicht zu merken. Es ist bald vorbei.

Hier der Klassiker aus 2006:

Denunziationen eines Fitnesstrainers

Sie kommen immer Anfang Januar. Jedes Jahr. Da stehen sie dann in der Lobby herum, mit diesem Schrecken im Gesicht. Verlegen, schuldbewusst und einige fast verzweifelt ratlos. Manche kommen gleich zur Sache, andere drucksen herum, und wieder andere finden keine Worte für das, was ihnen widerfahren ist. In ihren Gesichtern spiegelt sich der Schock einer bitteren Wahrheit.

Anfang Januar fühlt sich an, wie das Einziehen der Heringschwärme in der Bucht von Stralsund, wenn die endloslange Brücke zur Insel Rügen voller Angler ist, Mann an Mann, Ellenbogen an Ellenbogen, die Luft blitzt und blinkt von all den tausend ausgeworfenen Angelhaken und die Sonne küsst die gleißenden, daran zuckenden Fischleiber. Es ist nicht wirklich so, aber ein wenig ähnlich. Man glaubt, dass es leicht sei, aus dem Heringschwarm, der wie der Schatten eines riesigen Tiers unter der Brücke hindurchzieht, einen Fisch zu fangen, aber es ist nicht leicht.
Ich sollte hier einige „Fische“ rausholen, aber ich kann nicht. Ein Fitnesstrainer lebt von Menschen, die sich in Form bringen wollen. Aber noch mehr von jenen, die der Meinung sind, dass die reine Mitgliedschaft ausreicht, um fit zuwerden, und dass das Training dabei nur eine Statistenrolle spielt. Das sind die, die jedem Gym die liebsten sind. Davon lebt das Gewerbe. Von den Karteileichen.

Aber diejenigen, die Anfang Januar kommen, meinen es ernst. Zumindest glauben sie, dass sie es ernst meinen. Es ist die hässliche Wahrheit, die ihnen den Ernst in Stimme und Augen schrieb. Aber wenn man sie ein wenig besser kennt, und weiß, dass wir hier in einem bis zu den Sackhaaren des Teufels katholischen Land leben, fällt man nicht mehr so leicht auf all die ernsten Mienen hinein. Sie wollen nämlich kein Training. Sie wollen einen Ablass. Am besten ein Schnäppchen, einen Schnäppchen-Ablass.

Die Friseurin, die gleich um die Ecke in ihren „Salon-Gerda“ die Mumifizierung ihrer Freundinnen vorantreibt, stöckelt äußerst vorsichtig die steile Treppe hinunter. Sie sieht aus wie Hansi Hinterseers Vater, aber welche Friseurin in diesem Alter tut das nicht?, und sie hat es verdammt eilig, dreht sich auf den Absätzen, deutet auf ihren Hintern, zupft an ihrem weißen Flausch-Pullover, tätschelt ihre Hüften. „Das muss weg!“, sagt sie. „10 Kilo müssen weg.“

„Fein“, antworte ich mit ziemlich viel Anti-Entmutigungsgel in der Stimme. „Um Fett loszuwerden, gibt es genau zwei Möglichkeiten.“

„So?“, sagt sie erstaunt.

„Ja“, sage ich. „Verbrennen oder absaugen.“

„Oh“, macht sie. Ihre Augen blitzen jetzt. Sie sind blau, voller Ungeduld und (noch) heiterem Ärger. Aber sie können mich nicht täuschen. Nimm mir das schwabbelige Zeug von meinem Hintern, fordern diese Augen, und mach schnell, Mann.

„An was haben sie denn so gedacht?“, frage ich.

„Na ja“, sagt sie, „Bewegung?“

„Bewegung ist schon mal gut“, nehme ich den Faden auf. „An wieviel von dieser Bewegung hätten Sie denn gedacht, gnädige Frau?“

„Was ist denn so in zwei Wochen drin, wie viele Kilos?“

„Zwei Wochen, Kilos?“, sage ich und denke: Der ist gut, der ist echt gut. Den merk ich mir.

Ich setze ihr die Sache auseinander, führe sie in klaren, verständlichen Worten in die komplexe Problematik ein, mit der sie es jetzt zu tun bekam, weil sie sich über Weihnachten vollgestopft hat. Meine kleine Exkursion in ein Spezialgebiet der Anthropologie endet mit der Bemerkung, dass ein leidlich gut trainierter Mensch in einer halben Stunde Radfahren ca. 250 Kcal. verbrennt, was in etwa einem Glas Bier entspricht. Um ein Kilo Fett zu abzubauen, hätte dieser halbwegs trainierte Körper etwa 12 Stunden in die Pedale zu treten.

So über den Daumen gepeilt.

Jetzt ist sie schockiert. Und beleidigt.
Ich kann ihre Gedanken lesen.

Wie spricht dieser Mensch mit mir? So sollte man nicht mit einer potentiellen Kundin reden, nein, so nicht! Dabei hatte ich doch an, sagen wir, dreimal eine halbe Stunde Training pro Woche gedacht. Dreimal eine halbe Stunde, hallo! In zwei Wochen wären das dann dicke drei Stunden, und ab dann sollte das Kampfgewicht wieder erreicht sein! Das muss doch reichen, um 10 Kilo weg zu bekommen! Ist doch nicht viel. Die Helga hat 12 Kilo. Und wenn das nicht reicht, weiß ich auch nicht. Aber warum verkünden denn alle immer und überall, dass Bewegung gut sei um abzuspecken?

Ich sehe sie an. Jetzt ist sie sauer auf mich. Schwer beleidigt. Als hätte ich sie eine fette Schlampe genannt.

„Um wirklich abzunehmen, genügt Bewegung alleine nicht“, führe ich weiter aus. „Sie müssen auch was bei der Ernährung ändern, und außerdem ist ein Krafttraining zu empfehlen.“

Jetzt reicht es ihr. Die Welt ist ein Wespennest voller Lügen! Was faselt dieser Kerl da? Das ist doch der Gipfel der Frechheit! Da komm ich hier herunter, arglos und hoffnungsvoll und möchte nichts anderes, als in einer nützlichen Zeit mal die 10 Kilo wieder loswerden, die mir diese Festtage auf die Problemzonen appliziert haben. Gezwungenermaßen. Was soll man denn machen? Überall wo man zu Besuch ist, muss man fressen, was kann ich dafür? Und was bekomme ich von diesem Trainerverschnitt zu hören? Ist doch ein voller Abturner, oder!? Der kriegt schließlich Geld dafür. Und teuer ist der Laden ja auch noch. Was bildet der sich eigentlich ein?

Das alles sagt sie natürlich nicht laut. Noch nicht. Aber, als sie wenig später das Studio verlässt, ist sie demoralisiert und gleichzeitig wütend. Ich werde sie nicht wieder sehen, aber das macht nichts, denn schon bemüht sich der nächste Kunde in den Laden.

Er ist Kellner in einem Lokal in der Nähe. Mitte vierzig. Der stämmige Körper verrät den ehemaligen Sportler. Er hat beschlossen, dass die Waage zuviel anzeigt. Da liegt er sicher nicht ganz falsch. Das Hemd spannt um Brust und Bauch. Das Kinn kriegt Zuwachs, einen Doppelgänger. „Muss weg“, sagt er unwirsch.

„Was kann ich für Sie tun?“, frage ich vorsichtig. Es ist wieder die gleiche Geschichte wie bei der Friseurin. Es muss schnell gehen. „Gut“, sage ich, „aber Bewegung und Krafttraining alleine sind nicht genug … Die Ernährung …“, flechte ich etwas zu zögerlich ein, denn schon fuchtelt er mit der Hand in der Luft herum.

„Esse nur Salat und Gemüse“, sagt er mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldet.

Salat und Gemüse? denke ich, oh ja, die Geschichte kenne ich. Die hab ich selber in Petto.

Denn eines Tages landete ich mit einem Gichtanfall beim Onkel Doktor. Alkohol und Fleisch, sagte der. Nein, nein, ich bin Vegetarier, antwortete ich. Das sieht mir aber gar nicht nach Vegetarier aus, insistierte der Doc und lächelte ironisch. Na ja, vielleicht nicht mehr hundertprozentig, so wie früher, sagte ich nachdenklich. Ich hatte es in letzter Zeit mit diesen neapolitanischen Salsicce gehabt. War das denn schon Fleisch? Vor wenigen Jahren noch, war ich hundertprozentiger Vegetarier gewesen. Ich erschrak ein wenig, als ich darüber nachdachte: das war auch schon 10 Jahre her.

Wie sieht’s aus mit Alkohol? fragte der Doc.

Gut, sagte ich. Regelmäßig mäßig.

Ach was, sagte er und machte die Geste des Flasche ansetzens. Gluglu, sagte er.

Gespritzte, wandte ich ein. Nein, nein, beharrte er. Doch, doch, sagte ich. Stimmte ja auch, aber so an die 3 Liter pro Tag, im heißen, heißen Juni.

Ich kenne mich also aus, was Selbstbetrug anlangt.

„Na, dann ist ja alles in Ordnung“, sage ich zu meinem Kellner. „Gemüse ist gut. Sehr gut sogar.“

„Bin trotzdem zu schwer“, sagt er und sieht mich dabei an, als hätte ich damit etwas zu tun.

„Gewicht allein ist nicht Ausschlag gebend. Viel wichtiger ist der Anteil von Magermasse. Knochen und Muskeln.“

„Was?“, ruft er aus.

„Schauen Sie,“ sage ich erfreut, denn jetzt streifen wir eines meiner Lieblingsthemen. „Mike Tyson ist ca. 180 cm groß und hat ein Kampfgewicht von über 100 kg. Das entspricht einem Bodymassindex von ca. 31. Der Ex-Schwergewichtsweltmeister würde also als schwer übergewichtig gelten, bereits an der Schwelle zur Adipositas …“

„Ja, und?“

„Nun“, doziere ich weiter, während ich unter die Buddel greife und nach dem Foto von Tyson fische. Ich halte es ihm unter die Nase.

„Ist dieser Mann übergewichtig?“

Das Foto zeigt einen furchteinflössenden Mike Tyson, in der Form seines Lebens; austrainiert, muskulös, ein Körper wie ein Baumstamm.

„Blöde Frage, natürlich nicht“, sagt er.

„Aber laut Bodymassindex ist er’s“, triumphiere ich.

„Was hat das mit mir zu tun?“

„Lassen Sie sich nur nichts einreden“, sage ich.

Er zieht an seinem weißen Hemd, stopft es in den Hosenbund.

„Und jetzt?“, fragt er.

„Ist alles okay. Sie ernähren sich richtig, sind als Kellner in permanenter Bewegung, da kann ja nichts sein!“

Er beäugt mich misstrauisch.

„Aber ein bisschen Krafttraining könnte doch nicht schaden, oder?“

„Nur nicht übertreiben.“

„Na gut. Ich komm dann nächste Woche wieder.“

„Fein, dann sehn wir uns.“

„Und wie heißt das Ding da, dieser (ich verstehe) Bodybuildinginzest?“

„Bodymassindex“, sage ich. Oben ging die Tür.

„Bodymassinsex?“

„Perfekt.“

Er stapft die Treppe hoch. Er hatte jetzt eine Geschichte mit Mike Tyson. Das würde reichen. Ich werd ihn nicht wieder sehen. Macht nichts. Da steht doch schon die nächste Kundin vor der Theke. Sie sieht sich unsicher um.

„Was kann ich für sie tun?“

„Na ja“, sagt sie.

„Alles klar“, sage ich.