Covi-Diary (19)

Wer so unreif ist wie ich, und gerne zuckerfreie Energydrinks zu sich nimmt, nur aus dem einen Grund, weil ihm das Zeug schmeckt (wer weiß warum?), wundert sich immer wieder über die Meldungen von berühmten Mitmenschen, dass „sie anderen Mut machen wollen.“

Nun gut, das mag auf den ersten Blick löblich sein, aber warum sollte es mir Mut machen, wenn Rihanna gesteht, dass sie Bipolar ist? Oder wenn der Vouggsroggenrouler Monsieur Gabalier einen vor Kitsch triefenden Song schreibt, der mir auch Mut machen soll?
Es ist nicht wenig Anmaßung in diesen Aussagen der Promis. Fuck you!, sag ich. Warum wollen denn alle Mut machen? Gibt’s denn keinen Mut mehr, außer so ein Promi kitzelt ihn durch einen kitschigen Song oder ein Krebsgeständnis hervor? Sind wir schon solche Pussys? Oder glauben die Privilegierten, dass wir ohne ihren dämlichen, arroganten Zuspruch gar nichts mehr auf die Reihe kriegen?

Und wo sind die Leute, die uns den Mut nehmen wollen?
„Ich habe seit zwei Jahren Hodenkrebs. Es ist so Scheiße, wie es sich anhört. Und noch viel schlimmer. Das geht zwar niemand was an, aber ich habe gedacht, ich geh jetzt damit an die Öffentlichkeit, damit meine Feinde sich freuen können (Ich bin Baptist), und meine Freunde den Horror kriegen, und endlich mal darüber nachdenken, dass es in keinem einzigen Leben ein Happyend gibt. Dig it, Assholes!»

Warum ist es mir vergönnt, eine solche Nachricht zu lesen? So in der Art.
Sie würde meinen Geist erfrischen.
Dieser ewige Positivismus nervt. Genauso wie die zwei Millionen Tipps, wie ich mit mir in der Quara klar komme. Und mit meinen Nächsten.
Wann endlich kommt die gute Nachricht, dass es keine guten Nachrichten mehr gibt?
So eine, wie die: Es wird noch Monate dauern, bis das Virus so halbwegs besiegt ist. Und dann werde nicht nur ich pleite sein.

Und das macht mir schon ganz schön Mut.

Covi-Diary (18)

Der Himmel über Wien, heute so sehnsuchtsvoll in seinem mediterranen Azur, diese süße Magie der Täuschung, denn an solchen Frühlingstagen sieht es aus, als läge hinter der schönen Skyline das Meer.

Ich stand am Gürtel vor dem Hauptbahnhof, auf dem Weg zu „Merkur“ in der Favoritenschlucht, am Columbusplatz. Die Ampeln waren grün, aber ich ging nicht, denn ich steh so gern an dieser Vielspurenstraße, wo der ganze Traffik zusammenfindet. Sie S-Bahn, die Straßenbahn, die Züge weiter hinten, und all die Autos, die von der Autobahn abgefahren sind, und jene die drauf wollen.
Unwirklich war es mit einem Mal, dieser ganz Covid19-Shit, als wäre ich gerade aus einem Traum erwacht, der nicht bedrohlich, nur etwas seltsam war.

Der „Merkur“ am Columbusplatz ist einer der größten Supermärkte in Wien, und ich geh manchmal hin, weil es ein bisschen wie eine Migros, allerdings mit fetter Alkohol-Abteilung ist. Am Eingang wurde man darauf aufmerksam gemacht, dass man die Zeit zwischen 8.00- 9.00 den Senioren und den Risikogruppen zum Einkauf lassen sollte.

Der war gut.
Es war kurz vor 10.00 und ich stieß ausschließlich auf Oldies, die mit ihren Einkaufswagen herumzirkelten, als hätten sie alle darauf gewartet, dass endlich 9 Uhr vorbei ist. Denn heute ist niemand mehr freiwillig alt, und wer lässt sich schon als Risikogruppe titulieren?
Nun, ich schlage vor, dass man denjenigen, die solchen Shit aushecken zuvor einen Basic-Kurs in Psychologie besuchen lässt. Schätze mal, fünfzehn Minutem würde ausreichen.

Und sonst? Ösi-Promis lesen „Die Pest“ von Camus. Wie originell. Gemeinschaft herstellen. Derweil sich die Mitmenschen in den Wohnhäusern gegenseitig das Leben mit Live-Musik und Musik von Supersoundanlagen, das Leben zur Hölle machen. Denn, wie ich schon sagte: Die Musik ist der Terror.

Wieso nicht Gemeinschaft durch die Anstrengung dem Mitmenschen nicht auf den Sack zu gehen? (Man wird ja wohl noch träumen dürfen, oder?)

Schätze, wenn die Covi-Kiste weitergeschoben wird, was sie sicher wird, so werden wir schon bald von Hackebeilmorden lesen und hören.

Denn der Mitmensch der Postmoderne fürchtet nichts mehr als die Stille. Geboren um zu lärmen …

Covi-Diary (17)

Eigentlich wollt ich mich ja nicht mehr zu den Kloakis äußern, aber jetzt tauchen überall irgendwelche „Psychologen“ auf, die mir erklären, dass Klopapier hamstern völlig normal ist.
Nein, ihr Hiafler, ist es nicht. Es ist nicht normal wenn ein erwachsener Mitmensch 10 Packungen Klopapier kauft und sich darum prügelt. 10 Packung sind die errechnete Menge, die er innerhalb eines Jahres durch seine verfettete Ritze zieht.
Und wenn dieses Verhalten normal ist, dann sehe ich nicht ein, warum in dieser infantilen Gesellschaft 5-jährige KInder nicht wählen dürfen, aber der Kloaki schon.
Aber so it is: Man darf einen infantilen Idioten nicht mehr einen infalntilen Idioten nennen, denn sonst wählt der vielleicht das nächste Mal rechtsextrem.
Und dann melden sich die Milionen zu Wort, die das „voll nachvollziehen können“.

Jetzt könnte ich endlich bei der Angst angelangt sein.

Heute nur so viel: Ich habe nie wirklich verstanden, warum Boxer und andere Zweikämpfer, auf die Frage „ob sie Angst vor dem Gegner haben“, einer wie der andere antwortet: „Angst? Nein. Aber Respekt.»

Ich sehe das völlig anders. So eher im Mike Tyson Stil: „Ja. Ich habe Angst. Aber keinen Respekt.»

Nun zu was ganz anderem vom Selben.
Heute bekam ich meine Maske bei Hofer. Alles cool, nur die Brille beschlägt beim Ausatmen, klärt sich beim Einatmen, beschlägt, klärt …
Weiß nicht, ob dies der richtige Weg ist. Fürchte, das macht alle noch unvorsichtiger.
Kommt eine Mitmenschfrau mit einem etwa dreizehnjährigen Buben an die Kasse, fragt nach einer Maske. Sie kriegt eine, und fragt: «Muss der Burli auch eine tragen?»

Aber nein doch, der Burli ist doch immun. Der Burli kann niemanden anstecken. Der Burli ist nicht in der Risikogruppe, der Burli ist doch noch ein Bub.

Ich verstand: Sie verstehen nichts.
Wenn das kein Grund ist Angst zu haben?
Aber Respekt?
Grundgütiger …

Covi-Diary (16)

«Ihr werdet schlecht schlafen. Ihr werdet zunehmen. Ihr werdet Angst haben.
schrieb die italiensiche Autorin Francesca Melandri in einem Brief an „Deutschland“ .

Und warum zum Teufel schreibt sie nur an Deutschland?
Vermutlich wegen der „Spiegel-Gage“, in der der Brief erschienen ist.
Ich schätze mal, dass ihre Prophezeihung, für viele Millionen auch ohne Corona in etwa so zutreffend sind wie: Ihr werdet auf’s Klo gehen. Ihr werdet frühstücken. Ihr werdet euren Blutdruck messen.
Wer schläft schon gut? Wer nimmt nicht zu? Wer hat keine Angst? Ganz ohne Virus.

Ich kenne meine eigenen Versuche in Prophetie, und bin mir meines ewigen Scheiterns bewusst. Noch gestern entwarf ich ein Szenario, in dem sich der Mitmensch weigerte, sich vor dem Betreten eines Supermarkts eine Maske vor die Visage zu spannen. Und was geschah? Ja, was?
Als ich heute morgen rüber zu Hofer pilgerte, kamen mir einige Leute entgegen. Sie trugen Masken. Fein, dachte ich, also wird mir am Eingang auch eine eingehändigt. Aber was geschah wirklich?
Kein Security am Eingang, kein Mensch, der mir so’n Ding verpassen wollte. Also betret ich den Laden, und sehe auf einen Blick, dass ich der einzige Kunde ohne Maske bin. Der Einzige. Ich.
Das war mir etwas peinlich, und ich fragte mich, wo die alle die Dinger her hattten. War der Security-Guy gerade auf’m Klo? Oder machte er Pause? Besorgte sich eine neue Ladung?
Na gut. Da musste jetzt durch. Es fühlte sich an, als wäre ich in eine Zusammenkunft von Bankräubern geraten, die sich gerade ihre Jause besorgten.
Kann passieren.

Ich schlafe gut. Ich nehme zu. Und die Angst ist meine Freundin.
Morgen dann mit Maske.

Covi-Diary (15)

Eigentlich war geplant, dass ich heute etwas meine gute Freundin „Die Angst“ schreibe. So wie Steve Earl einen Song über „My old friend the Blues“ geschrieben hat. Muss wohl warten. Das liegt daran, dass ich heute einkaufen war, und wieder mal dem Mitmensch begegnet bin. Sie waren so ziemlich alle gegen Covid 19 immun. Abstand war etwas für Pussys. Man spuckte im engen Supermark beim Telefonieen herum, wie ein Kellner, der in einem Lokal in Ischgl die Trillerpfeife bläst.

Morgen soll es in Supermärkten eine Maskentragepflicht geben. Das wird bestimmt lustig für die Securytis, die nun den Immunen erklären dürfen, dass sie nicht reinkommen, wenn sie das Tuch nicht vor ihre Idiotenvisagen spannen.

Ich hoffe, sie engagieren für den Job jene Typen, die sonst die Türe in den angesagten Clubs machen, und die es gewohnt sind, dass alle naslang ein drogenveralkoholisiertes Arschloch anrennt und wieder einmal beweisen will, was für ein hartes Kerlchen er doch ist. Ein Individualist gar. Einer der sich von niemandem was sagen lässt.

Und der Mitmensch hier ist Individualist. Während der asiatische Mitmensch daran interessiert ist, dass die Dinge funktionieren und dass der Nächste nicht unbedingt Schaden nimmt, geht es dem hiesigen Mitmenschen darum zu zeigen, wie groß sein Ego ist.

Ja, Scheißerles, Misanthropie ist ein Zeichen von Fantasie und Intelligenz. Und ein Misanthrop ist in etwa so ein schlechter Mensch, wie ein Gutmensch ein guter Mensch ist.

Habe ich etwa schlechte Laune? Aber nicht doch. Es ist Quarantäne, mir geht’s gut. Und so wie sich der Mitmensch gerade benimmt, wird sie noch lange, lange dauern.
Ich sag das jetzt nicht gern, aber mir tun die Cops leid, die am Wochenende Dienst haben, wenn es in den Parks und den bekannten Promenaden Wiens zugeht wie am Münchner Oktoberfest.

Halleluja, Scheißerles, des wiad a Gfrett …

Covi-Diary (14)

Dies ist der 1475-ste Blogeintrag, seit Ende 2009. Glaube ich. Aber das kann ja jeder nachprüfen. Und jede, natürlich auch. Es fehlen also noch 25 Einträge bis zum Jubiläum (1500). Ich schätze mal, dass bei 1500-sten Eintrag „Covo-Diary (39)“ stehen wird. Danach mag es weitergehen. Wie? Ich weiß es so wenig wie jemand anderes.

Wir haben hier ja gerade noch die „Schöne Kalt-und-Fenster-zu-Jahreszeit“, und ich bin dankbar dafür. Denn diese Saison geht normalerweise in die lärmige „Jetzt-ist-fuckin’-Frühling-Straße-Aufreißzeit“ über, und wird dann abgelöst von der „Wir-machen-stumpfsinnige-Partys-bei-offenen-Fenster-Zeit“, die in die „Lärm-und-Höllen-Hitze-Saison“ übergeht, bis es dann im Herbst wieder etwas netter wird.

Das ist es ja, was ich an dieser Corona-Zeit (trotz allem Ungemach) so schätze: Der Mitmensch verhält sich endlich einmal nicht wie ein Kleinkind das unausgesetzt gegen eine Holzverschalung kickt, sondern angemessen: Zurückhaltend, distanziert.
Aber wie lange noch?

Fuck it. Ich versuche es zu genießen und mir Strategien zurecht zulegen, die mich die nächsten anrollenden Jahreszeiten überstehen lässt.

Hold on, Shiterles!

Covi-Diary (13)

Zuerst dachte ich, dass man die Toten auch schon unter Qurantäne gestellt hatte, aber dann sah ich, dass das Tor zum St. Marxer Friedhof weit offen stand. Also ging ich hinein. Wollte ich schon immer mal tun. Vor vielen Jahren schon, als der Friedhof an meiner Laufstrecke lag. Aber da ich am Laufen war, lief ich immer vorbei. Heute nicht. Schon beim Tor wird einem schriftlich mitgeteilt, dass dies der letzte noch bestehende Biedermeierfriedhof in Europa sei.

So sieht’s aus. Das ganze Areal. Und sobald sich der Frühling durchgesetzt hat, wird man nur noch Blätter und Äste sehen. Und dieses Foto wär einfach grün.

Ich bestaunte unter anderem ein verdammtes Monument von einem 1837 gestorbenen Kutscher, ein Grabmal wie von einem Fürst, 3 Meter hoch, wuchtig, massig, massiv. Ein fuckin’ Kutscher!
Aber vermutlich kutschierte er nicht unserereiner, sondern die Mätressen des Hofstaates oder gar des Kaisers, und ich musste wieder einmal an den wunderbaren kleinen Roman von Josph Roth denken, „Die Geschichte von der 1002. Nacht“, an die „Mizzi Schinagl“ die in einem Hurenhaus auf der Wieden gearbeitet hat, und die Geliebte des Schah von Persien wurde. Warum? Nur weil sie einer edlen Dame ähnlich sah, auf die der Schah ein Auge geworfen hat, und die er begehrte. Und da man in Wien dem Schah nichts abschlagen wollte, unterjubelte man ihm die Mizzi Schinagl, die „Auf der Wieden“ zuhause war, wie ich. Das ist halt eben auch Wien. Lebendig auf einem Biedermeierfriedhof. Und Joseph Roth.
Und schinageln ist das rotwelsche Wort für „arbeiten“, ein Wort, das wir in den siebziger Jahren von den Jenischen übernommen hatten, wir, die abgesprungenen Kinder des aufstrebenden Proletariats, wir, die wir unsere Väter verraten haben, und von ihnen verraten wurden.
Long time ago. Sowohl 1837, Mizzi und auch die Siebziger. Lange her, aber noch nicht verblasst.
Als ich dann weiterging, beschloss ich wieder Joggen zu gehen. Zumindest einen Versuch zu starten um herauszufinden, was mein rechtes Knie dazu meinte, ob es einverstanden war oder ob es das gar nicht ab konnte.

Und sonst? Das Übliche. Mehr Infizierte, mehr Genesene, mehr Tote, mehr mehr.
Was soll’s? Stehen wir’s halt irgendwie durch, nicht?

P.S. Wie ich Banause eben erfahren habe, liegt Mozart auf dem Friedhof.
Asche auf mein Haupt!

Covi-Diary (12)

Auf der Bank war man über meinen Auftritt geteilter Meinung. Sie reichten von: «Hahaha-das-ist-gar-keine-echte-Pistole» (ist sie doch!), über „Sie kommen zu spät, mein Guterle, der Kollege Turrini war schon vor ihnen da“, bis „Die Atemschutzmaske kann einem ja Angst machen“.
Man glaubte an einen Witz. Und wie ein Witz ohne Pointe schlich ich wieder zurück in meine Quara, und bestrafte mich mit einem alkoholfreien Abend.

Am Morgen erwachte ich mit dem Blues. Es war das erste Mal, dass mich die Erinnerung an vergangene Tage, etwas traurig stimmten. Damals, als man noch nichts von Covi-Arschloch wusste. Und ich dachte ein wenig an die Siebzieger Jahre, an die ich so gerne denke, und vor allem daran, wie die Mädchen damals waren, als der Sex gerade erfunden worden war.

Überhaupt. Erinnerungen. Als ich neulich auf einer meiner Stadtwanderung unterwegs war, fiel mir ein, dass jede Ecke dieser Stadt eine kleine Geschichte mit mir hat. Wohin ich auch blicke: Mir fällt eine Story ein oder ein bestimmtes Gefühl wird wieder lebendig. Ja, so wie der 1. Bezirk voller Erinnerungen an jene erste Zeit ist, in der ich einsam, völlig abgebrannt und hungrig auf der Suche war. Nach irgendwas. Bis hin zu weggeworfenen Zigarettenkippen. Far away from home, das ich nicht mehr sehen wollte.
Und dann denke ich, welch ein Romantiker ich doch war und bin, und wie gut es ist, dass ich es war und bin, denn es ließ mich all die Scheiße unbeschadet durchstehen, denn ich hatte die Literatur, die Mythen, die Vorbilder, den „Zwang zur Prosa“, wie es Fauser mal ausdrückte.

Nun denn. Heute las ich, dass man auch hier in Vienna, dem Vorbild Italiens folgen möchte, und in den offenen Fenstern musizieren wolle.
Yeah, Scheißerles, ich hab doch geahnt, dass ihr einen verdammten Weg finden werdet, mir trotz Qurantäne auf den Sack zu gehen.

Oder wie es im tollen Berlin-Roman „Gehwegschäden“ heißt: „Musik gegen Terror? – Die Musik ist der Terror!»

Covi-Diary (11)

Und was gibt es sonst noch?
Nichts.
Vielleicht die Frage, ob es mich freuen soll, dass für einmal nicht nur ich, als „Kulturschaffender“ pleite bin, sondern etliche Kollegen und Kolleginnen ebenso. Zumindest tun alle so, und stürmen die HP’s mit den Antragsvormularen für was-weiß-ich-für-Verdienstausfallsentschädigungen.
Aber warum sollte mich das freuen? Darauf hab ich keine Antwort. Wie auf den Rest auch nicht.
Andererseits sieht es ganz danach aus, als würden endlich mal jene sichtbar, die die schweren Jobs in dieser fuckin’ society haben. Nein, nicht wir fleißigen Umsonstos, sondern jene, die nichts verdienen und den ganzen Scheiß erledigen: Krankenpfleger, Altenpfleger, Supermarktangestellte, Erntehelfer und so weiter.
Und wenn der verdammte Höllenspuk vorbei ist, werden sie mit Sicherheit wieder in die Unsichtbarkeit zurückfallen, und niemand wird ihnen mehr applaudieren.
Aber ich kann mich irren. (Was natürlich einen Tautologie ist, denn Irrtum is my second Initial.)
Wie dem auch ist und werden wird: Bei fällt nichts aus, was ich auf ein Antragsformular schreiben könnte. Ich bin einfach ganz normal blank. Und so warte ich, wie schon tausendmal in meinem Leben, auf ein Wunder. Andere warten auf die Erhörung ihrer Klagen beim Amt, ich warte auf ein Wunder. Ich bin Schüler von Henry Miller. «Zwischen mir und der Zukunft steht eine Mahlzeit.“
Oder aus „Siddharta“: «Ich kann denken, ich kann warten, ich kann fasten.“
Oder wer’s gern katholisch mag: „Ich kann nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand.»

Man kann natürlich auch aktiv werden. (Siehe Bild unten)
Schätze mal, das Ding kommt auf mein nächstes Buch.

Falls ihr Scheißerles für diese erbaulichen Wortspenden auch spenden wollt, so macht aus eurem Herzen keine Mördergrube, und meldet euch bei: andreas@niedermann.at
Unter dem Betreff: I am your wonder!

Bildtitel:
Kreativer „Kulturschaffender“ kurz vor dem Besuch einer Bank.

Covi-Diary (10)

Ich schätze mal, es ist eine Frage von Tagen und Wochen, bis man an uns Alte und Gefährtdete herantritt und mit eindringlichem Unterton in der Stimme fragt, ob wir nicht auch der Meinung sind, dass man Opfer bringen müsse. Alle. Aber besonders wir, die Alten, die, die schon herumgelebt haben, und von denen einige nur noch das Grab als Zukunft im Blick haben.

In Russland soll es bereits soweit sein: Die Alten und Gefährdeten werden isoliert.
Man wird auch hier nicht darum herumkommen, sollte nicht noch irgendein weißer Schwan auftauchen, der den schwarzen verjagt und uns rettet. Denn wenn nicht, geht die Wirttschaft vor die Hunde, und wenn die Wirtschaft geht, wird uns unser altes Leben auch nicht mehr viel nützen.

Ich bin bereit, mich zu opfern.

Wir sollten, wie es in Pestzeiten üblich war, mit einer Klapper ausgerüstet werden. Damit man uns großzügig Platz machen kann. Wir sollten auch Lokale kriegen. Zum Beispiel das Billardzimmer im Anzengruber. Mit separatem Eingang.
Diese Klapper kann durchaus elektronisch sein. Eine App, die Vibrationen bei anderen Handys auslöst, wenn wir dahertappen. Oder kleine Stromstösse (Auch die Jungen müssen was opfern, damit wir auch ein bisschen Spass haben). Und wer nicht den uns gebührenden Abstand einhält, bei dem sollte ein unwiderstehlicher Harndrang ausgelöst werden, damit er sich einnässt.

Man sollte uns auch einen Teil des wirtschaftlichen Erfolgs in Form von Penunze abtreten. Damit wir uns im Billardzimmer des Anzengrubers ein paar Flaschen Chivas Regals bestellen können.

Wie gesagt: Ich bin bereit.
Denn wenn nicht, werde ich vermutlich als Erntehelfer anheuern müssen. Denn ich bin pleite. Als „Kulturschaffender“ sowieso, und auch sonst.

Also lasst hören, ihr Scheißerles!