Fuckin’ Westspießer

Niemand will Windräder sehen und schon gar nicht hören
Niemand will Stromleitungen, die nahe seines Dorfes, Grundstücks, oder Gartens in die Erde gelegt werden
Niemand will einen neuen Stausee in seiner Gegend.
Niemand will einen Fotovoltaik Park in der Nähe seines Schrebergartens.
Niemand will etwas von einem Kohlekraftwerk wissen, oder von Gas.
Niemand will ein AKW in einem Umkreis von 20’000 Kilometern.
Niemand ein End-oder Zwischenlager für AKW-Abfälle, außer in der dritten Welt.

Aber alle wollen Netflix, Facebook, Amazon, einen warmen Arsch, ein Auto, Licht und Klimanlage, Fernreisen und komfortablen Naherholungsurlaub, kross gebackene Schnitzel, fette Spareribs und kühles Bier.

Ich finde nicht mal Worte für euch, und wie sehr ihr mir auf die Nerven geht, ihr wehleidigen, verwöhnt-verwahrlosten fuckin’ Westspießer!

Jetzt hab ich doch noch ein paar halbtote Worte gefunden …

P.S. Ich könnt mir gerne ein Fässchen Atommüll vorbeibringen. Es kriegt einen Ehrenplatz auf dem Klavier, gleich neben dem Bildnis von Einsteins Zunge.

Vier Rosen zum Z’Nüni nä …

das bleibt nicht ohne Folgen, auch wenn man so tut, als verfüttere man sie dem Moudi.

Wer als Heranwachsender in Kärnten in einem Internat asyliert war, in Kärntnen, und ich sags gleich nochmal: in Kärnten, der Heimat des grantigen Griffener Nobelpreisträgers, und der zeitweiligen Freundin und Bettraucherin von Max Frisch, des schreibenden Dorfderwisch Joseph Winkler und der vom Himmel gefallenen Sonne namens Jörg Haider, der braucht seine vier Rosen zum Z’Nüni, auch wenn das nicht ohne Folgen bleibt.

Wäre Endo Ananconda, dieses geniale Verausgabungsanimal Polo Hofer gewesen, wäre er keine 50 geworden. Es ist die „Poschtur“, die das verhindert haben mag.

In einem reichen Kleinstaat wie der Schweiz auf Schwyzzertütsch unterwegs zu sein, da braucht es mehr als Genie, da braucht es Auftritte, Auftritte, Auftritte, Bob Dylan-mäßig, auf der neverending Tour, die allerdings ohne die restliche Welt, eher einem immer schneller drehenden Karussell gleicht.

Aber Endo Anaconda hat sich rausghaut, einighaut, obizahrt und aufgetragen, vom Spitzerl bis zum Tragerl, vom Schnupfen über die Folie zum Schuss, ein gscheiter Humanist, ein Koloss, ein Kerl, eine ehrliche Haut, einer für den das Jörg Fauser-Wort zu Marlon Brando auch gelten mag:

„Und wenn sich einer den ganzen Tag abgestrampelt hat … will der nun auch noch Liebe und Wahrheit und letzte Dinge? Natürlich will er, aber er will, dass andere den Kopf dafür hinhalten und den Griffel und den Schwanz – er will Idole.“

Dass es dem Anaconda nicht vergönnt war, nach „Stiller Has“, abgetaucht in den Underground, sich nur dem Wort zu widmen ist, mit Verlaub – beschissen.

Andreas Flückiger (1955 – 2022)
Endo Anaconda (1955 –

Abartig

Derweil der Westen sich anstrengt in Afghanistan eine Hungerkatastrophe zu verhindern, damit diejenigen, deren Job dies wäre, nämlich der der Taliban, ungestört dem einzigen Job, den sie wirklich beherrschen nachgehen können: Beten zu ihrem Märchengott, in dessen Namen sie unterdrücken, foltern und töten.

Das ist in gewisser Weise abartig.

Filmszenen die nerven (5)

Fernsehkrimis, Landkrimis, Stadtkrimis, Bezirkskrimis, Bergkrimis, Waldkrimis, Theaterkrimis, Alpenkrimis, Flusskrimis, Arschlochkrimis, Fut-und Beidlkrimis, Genderkrimis, Krimikrimis, Krimi-im-Filmkrimis, Vater und Mutter-Krimis, Dorfkrimis, religiöse Krimis, satanische Krimis und so weiter und so fort.

Wann hört das endlich auf? Wann wird der Verschwendung meiner Gebühren Einhalt geboten, und auf diese absolut geisttötenden, unendlich langweiligen, und von Schauspieler darstellenden Statisten verbrochenen allabendlichen Hühnermist verzichtet?

Wann? Quando? Wann?

Filmszenen die nerven (4)

Wann genau wir die Szene das erste mal erblickt haben könnten, ist nicht überliefert. Oder besser: ich habs nicht rausgekriegt (hab mir aber auch keine Mühe gegeben).

Schätze mal, dass ein Drehbuchautor die Idee hatte. Auf der Suche nach einem Ort in einem Büro, einer Spitals-oder Cops-Lobby, an dem Dialoge die Handlung vorwärtsbringen konnten, und wo der Ort selbst, eine gewisse Dramatik enfalten konnte.

Der Getränkeautomat!

Man trifft sich vor dem Ding, eher zufällig. Und da es langweilig ist, jemandem zuzusehen wie er eine Münze in den Schlitz steckt, einen Knopf drückt und dann eine Coke nach unten rauscht, und man das Ding auch noch zur Charakterisierung der Akteure benutzen konnte, durfte der Automat nicht einfach funktionieren.

Die Folge: der Automat wird mit Tritten, Faustschlägen usw. traktiert. Oder der Sanfte, Findige, Coole taucht auf um ihm die Wange tätschelnd die Coke zu entlocken.

Gute Idee.
Nur.
Wenn – seit Jahrzehnten – ein Automat ins Bild kommt, weiß man was als nächstes geschieht. Immer dasselbe. Das Ding funktioniert nicht. Es schient in der ganzen fuckin’ Filmwelt keinen einzigen heilen Automaten zu geben.

Das nervt.

Herbert Achternbusch (1938-2022)

„Du hast keine Chance, aber nutze sie“, das konnte man Anfang der 80-er, während der Jugendunruhen, überall hören und lesen, und kaum jemand wusste, wer der Urheber dieses Spruchs war. Ja, ER war es.

Gegen Ende der 80-er zeigten wir im Kinok (St. Gallen) seinen Film „Das Gespenst“. Die Sehwilligen mussten sich durch einen dichten Riegel bigotter Beleidigter durchschieben, denen er mit dem Film das Privileg eines verletzten religiösen Gefühlchens verschafft hatte.
Nun ja, von Erbärmlichen ist kein Humor zu erwarten, dabei hatte Achternbusch die definitiv lustigste Szene eines deutschen Films geschrieben und gedreht: Jesus, der auf den Wasser geht, und sich beklagt, dass er einfach nicht eintauchen kann.

Danke für jenes, und danke für dies.

Filmszenen die nerven (3)

Eine lachhafte und auch nervende und immer wiederkehrende Szene ist jene, in der ein übertölpeter Bewaffneter aufgefordert wird die Waffe fallen zu lassen oder wegzuwerfen.
Das tut er dann meistens auch. Er wirft sie weg. Lässt sie zu Boden fallen.

Wer jemals eine geladene und entsicherte Pistole, einen Revolver in der Hand gehalten hat, würde das Ding niemals einfach zu Boden fallen lassen. Wer weiß was geschehen wird.
Waffen sind teuer, sind genau gearbeitete Werkstücke, die Schaden nehmen, wenn man sie einfach auf den Beton knallt.
Es ist einfach nur lächerlich und nervig, wenn die Heroes und die Cons ihre geliebten Werkzeuge einfach achtlos, als wärs Kaugummipapier, zu Boden fallen lassen.

In neueren Filmen sind schon Ansätze zur richtigen Waffenbehandlung zu sehen. Man bückt sich, und legt die Pistole sachte auf den Boden. Ja. So macht man das …

Filmszenen die nerven (2)

Wieder einmal sehe ich mir diese fuckin‘ gute Westernserie „Deadwood“ an, und gestern war der Part dran, in dem Wild Bill Hickock erschossen wurde. Tarurig. Denn Wild war ein guter Kerl, ehrlich zu sich selber, hilfsbereit, und er hatte einen untrüglichen Sinn für Leute die Böses im Sinn haben.

Und dann kam’s: Wild tat eigentlich nichts anderes als Poker spielen, Whiskey trinken und den Mitmenschen helfen, was ihm aber die Todfeindschaft von einigen üblen Zeitgenossen eingetragen hat, und trotzdem setzte er sich mit dem Rücken zur Tür, was ihm dann auch eine Kugel in den Hinterkopf eintrug.

Mit dem Rücken zur Tür?! Hell, habt ihr sie noch alle? Niemals, nimmer, nicht in den dreitausend Jahren würde sich Wild unter diesen und anderen Umständen, mit dem Rücken zur Tür setzen. Nie, nie.

Was war los mit euch, ihr irreguten Scenewriters? Habt ihr vor dem Schreiben mit Wild und Calamity Jane gesoffen und dann noch vor dem Duschen und horribel verkatert, so einen Scheiß hingepfuscht?
Schande über euch!

Euer enttäuschter Fan

A.N.