Hitzeschwaden (6)

Es vergeht kaum ein Tag, in diesem schönsten aller Länder, an dem der an politischen, kulturellen und anderen Adabei-Events Interessierte nicht auf das fein eingsackelte Sprüchlein stößt, das uns erst richtig lebensfroh, und dem Hängekopf wieder Mut macht. Ob es nun von Westenthaler, dem Kurt Bergmann, dem Bundeskanzler, dem Opernchef oder unserem Hausmeister gehaucht wird, es is olles ans, wir sind es auch, denn: «Aufgeben tut man nur einen Brief.»

Jetzt hammas! Aufgeben tut man nur einen Brief! Ist das nicht schön und wahr? Lassen wir doch die tiefe Weisheit in uns einsickern, als wär’s ein Buch von Paolo Coelho! Aufgeben tut man nur einen Brief!

Jawoll, ihr Schattenparker! Aufgeben? Phh! Niemals. Nicht die schlechten Gewohnheiten, nicht die überkommenen Ansichten, die widerlegten Meinungen, das hohle Gewäsch, nichts da, hier wird nicht aufgegeben. Wer aufgibt, hat schon verloren. Und am Liebsten wird für Dinge gekämpft, die niemals gewonnen werden können. Ein ausländerfreies Wien. Das trotz 4 Liter Heurigen die Leber nicht schwillt, usw. Solche Kämpfe gereichen zur Ehre. Je aussichtsloser und dümmer, desto ruhmrediger. Aber gleicher Lohn für gleiche Arbeit, so was lohnt nicht. Ist ne knappe 1 auf der 100-zähligen Ehrskala.

Tja, es muss nur von der Pepi-Tant sein, das abgepackte Sprüchelein, dann ist es Volksweisheit, und dann stimmt’s, wöi des Volk hat imma recht.

Nun, ich hätt auch noch eine Volksweisheit: Brunzt der Wallach vorm Fiaker, wird die Straße nass und nicht der Acker.

Hitzeschwaden (5)

Der diesjährige «Lifeball» in Wien hat nun endgültig den Beweis erbracht, dass man in dieser Stadt jeden Event nur lange genug sich selber überlassen muss, damit er irgendwann aussieht wie der Wiener Opernball.

Hitzeschwaden (3)

Am 31. Mai schrieb ich: Tuli Kupferberg lebt. Stimmt seit gestern nicht mehr. Der Mann der «Fugs», der Dichter, Maler, Universalgenie, der «älteste Rockstar» aller Zeiten, der einzige Mann der bisher einen Sprung von der Brooklyn-Bridge überlebt hat, ist tot. Er starb im Alter von 86 Jahren. Farewell, Mister Kupferberg.

Szene an einem Freibadkiosk nahe Salzburg:

Ich: (auf eine Flasche Stiegl Radler deutend): Haben Sie auch richtiges Bier in Flaschen?

Kioskmann: Nein, nur richtiges, offenes Bier.

Ich: Gut. Dann nehm ich ein kleines.

(Der Mann bringt es mir. Ich zahle, trinke es rasch aus.

Kioskmann: Und? War es gut?

Ich: (etwas irritiert) Ja. War gut.

Kioskmann kassiert.

Ich fragte mich, warum er mich mit diesem Unterton in der Stimme nach der Güte des Bieres fragte. Habs schnell heraus: Da ich aussehe wie ein dicker arroganter Deutscher, und er kein Ohr für  mein allemanisch eingefärbtes Idiom hat, dachte er, dass die Frage nach dem «richtigen Bier», nicht dem Radler, sondern der einheimischen Marke «Stiegl» gegolten hat.

Da wird Schland noch einige schöne Fußballspiele abliefern müssen, bis der Mann hier die Frage richtig zu deuten weiß….

Hitzeschwaden (2)

Im Juni oder Juli 1961 schneite es im Berner Oberland. Meine Mutter schippte mit der Kehrschaufel herrlichen Pulverschnee von der Terrasse.

Früher war eben alles besser.

Jörg Fauser schrieb in einer seiner Stories: «Brüste wie Pulverschnee.»

Ich verbrachte einige Jahre meiner Kindheit neben einem Schihang, der am Zaun der Eislaufbahn endete.

Hemingway sagte, dass für ihn das Paradies vorne aus einer Stierkampfarena, und hinten einem Bach zum Forellen angeln bestehe. Ich hatte den Schihang und die Eislaufbahn.

Ich war ein ganz guter Slalomfahrer. Natürlich wollte ich später Weltcuprennen fahren.

Um im Sport Karriere zu machen, braucht man -mehr noch als Talent – ein bestimmtes Gen, das einen die ungeheure Monotonie und Redundanz des Trainings durchstehen lässt.

Johnny Cash sagte am Grab seiner im Mai 2003 verstorbenen Frau June Carter: «I will come soon.» Es stimmte.

Hitzeschwaden

Ich hoffe, es wird bald Winter.

Früher wurd’s im Sommer höchstens dreißig Grad warm.

Man sagte danke, wenn man etwas erhielt.

Man erhielt die gewünschten Dinge immer erst dann, wenn sie einem nichts mehr bedeuteten.

Ich lernte daraus.

Auf Nikos Katzanzakis Grabstein steht: «Ich fürchte nichts, ich hoffe nichts, ich bin frei.»

Auf Bukowskis Grabstein steht: «Don’t try»

Auf meinem steht: «Scheiße, ich war noch nicht fertig.»

Schland zu Gast an der «Dichterstubete» in Wald (AR)

Dass wir Großstädter die tafferen Jungs sind, ist wohl nun allen klar. Auch im Appenzell/erland (wie man ja jetzt sagen muss, sonst gibt’s, wie man allenthalben hört, eins auf die Nuss). Denn während der Wiener und die zwei Berliner am Samstag einen flotten Prä-Lesungspazierung auf die Rütegg machten, und dort oben bei Isolde und Werner gerade mal Null (in Zahlen Null) andere Gäste antrafen, blieb das ganze Appenzell(erland) an diesem warmen, wolkenschiebenden Sonnentag zu Haus. Oder was-weiß-ich-wo. Auf meine Frage an Werner Bucher, was zum Kuckkuck, denn die gähnende Leere seines grenzgenialen Gastgartens bedeuten sollte, antwortete der Dichterverleger nur: «S’isch z’warm!»

Bullshit! Es war nicht «z’warm». Die Appenzeller/länder (muss man wohl jetzt sagen und schreiben) sind einfach Schattenparker, that’s all. Sie wissen nicht, dass dort wo’s Grün ist, auch nie so heiß sein kann, wie dort wir herkamen, der Florian, der Oliver und ich, nämlich aus den Backofenhöllen der deutschsprachigen Großstädte.

Aber in dieser Tonart gings weiter. Nachdem Schland, der alte Gierschlund, wieder mal nicht genug bekam und die Katholentruppe der «Gauchos» mit 4 Kohlrabis ins Gemüsekistchen gesegnet hatte, gings zur Lesung.

Es wurde, mit Theres Lehn (München) und Florian Günther (Berlin), ein Abend von großer Güte. Günther musste gar zweimal ran, und ich bin mir mehr als sicher, dass sich alle im «Birli» Anwesenden noch Jahre danach, an diesen Abend erinnern werden.

Und was für ein Publikum! Purer Goldstaub!

Jene die gekommen waren, gehörten nicht zu den «Schattenparkern», denen war’s nicht zu warm, zu kalt, zu weit, zu schnöd, zu blöd; sie kamen, hörten und freuten sich. Und was der «Appenzeller/länder-Schattenparker» der feinen Beiz der Rütegg, ist der «Paolo-Coelho-Bücherverschenker» der «Dichterstubete» in Wald. Möge er zu Hause oder sonstwo bleiben, und das ist auch gut so. Er wird nirgends vermisst.

Das wurde mir an diesem Samstag gerade wieder mal bewusst.

Auf die nächste «Stubete» am 21. August!

Schuldig!

Drei launig-harmlose Fußballkolumnen in einer großen Tageszeitung (www.tagblatt.ch) und schon werde ich geoutet, und zwar als ein Bursche der sich «dem globalisierten Fußballbusiness an den Hals schmeißt.» Tja, und da häng ich nun, an diesem Hals, und trau mich nicht mehr runter. Und während ich da häng und häng, denk ich immerzu: Diesen sauertöpfischen Tonfall kennst du doch. Und klar kenne ich ihn. Es ist derselbe, der mir in den Siebzigerjahren entgegenschlug, wenn unsere Upperclass-Kommis mich beim Cola trinken erwischt haben, dem Gesöff des «US-Imperialisten und seines zionistischen Büttels Israel».

Gut, schuldig. Ich hab mich rangeschmissen an diesen Fußballbusinesshals, aber warum nur? Was versprach ich mir davon? Vielleicht Geld? Könnte sein. Denn nötig hätt ich’s ja. Mehr als der Mittelschullehrer und Kabarettist der mich geoutet hat. Der erntet in einem Monat, was ich in einem Jahr so zusammenkratze. Mit oder ohne globaliserte Fußballkolumnen.

Diese abgepackten Sätze sind also noch im Umlauf, es gibt sie immer noch. Und jeder Besitzer einer Plastikzahnbürste ist mitschuldig an der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, jeder der sein Auto volltankt, hat einen traurigen Pelikan im Öl ertränkt.

Und somit entspricht Hans Fässlers Behauptung natürlich der Wahrheit. So wie die meinige auch: Der Lehrerkabarettist macht sein linkes Kabarett auch nur, um sich Kim Il Sung als Konkubine anzudienen.

15 Futblogs sind genug

Vorrunde vorbei. Es hat mich Widererwarten, sehr gefreut. Fußball ist wie Kiffen für Paranoiker: Man muss es sehr oft tun oder sonst bleiben lassen.

Eins habe ich festgestellt: Mein Inkonsequenz ist einigen Belangen geradezu enorm. Aber Fußball ist Drama. Und es möge niemand Hand an ihn legen und Videobeweise einführen wollen. Fußball ist wie das Leben, nur ernst. Das Leben ist ungerecht. Der Fußball auch. Und das ist auch gut so.

Futblog XV

Gewidmet meinen Landsleuten im nahen Westen, mit einem Song aus dem mittleren Osten:

Ob i wü oda ned,manchmoi denk i an früher,
und i siech durch an Schleier von Tränen wo i amoi woa.
Jeder Tram der vergeht,reißt ganz afoch da Füm o
und imma woch i auf und i steh vor mein potscherten Lebm

I hob valuan,wie nur ana verliern kann,der a Herz statt an Hirn hat aber i genier mi ned,i hob euch alles gebm.
I hob valuan,hab erlebt wie ma fliegn kann,wenn ma Freundschaft mit bledheit verwechselt und des war mei Lebm,mei potschertes Lebm.

Ob`st as glaubst oda ned,i bin niemanden bös,immerhin wird sich mancher erinnern wo i amoi war.
Und i bleib wie i bin,wüst mei Hemad dann nimm`das und moch da kane Sorgen ob i gfria i werds übalebm.

I hob valuan………..

(Hans Orsolic)

Uff Widerluege! Bim Samschtig Jass!