2 Statements

Gestern sah ich Peter Handke und Lady Gaga im TV. Nicht gleichzeitig, claro. Zuerst die Lady, und dann einige Stunden später, Handke. Es war höchst erbaulich. Sowohl der Schriftsteller, als auch Miss Gaga. Beide sagte überaus kluge Sachen. Handke sagte z. B.: «Ich will nicht bewundert werden oder bewundern. Ich will begeistern und begeistert sein.» Das fand ich gut, das ist einleuchtend, das ist klug.

Lady Gaga sagte hingegen: «Ich bin Nichts. Alle glauben, ich bin ein Star, aber ich bin Nichts.» Mann, auch wenn’s nur Pose wär, es wär immer noch besser, als was Bono oder Campino in der ganzen Spanne ihrer überkandidelten Leben, abgesondert haben. Gaga sah aus, wie eins dieser italienischen Mädchen die hier durch die Gegend irren, und mich nach dem Schloss Belvedere fragen. Blonde lange Haare, große braune Augen, ein Dutzendgesicht, eins, das man sofort wieder vergisst.

Das war ein guter Fernsehabend. Gleich 2 tolle Statements. Ich freute mich. Dann sah ich mir noch ein bisschen die Verleihung der «Nestroy-Preise» an, die Wiener Auszeichnungen für Theaterleute. Da waren dann die Statements nicht mehr so herausragend. Aber zwei an einem Tag, Mann, ich war zufrieden wie der Weihnachtsmann nach seiner letzten Tour…

Die Katzen von Kapsali

«Wir haben alle etwas zu verkaufen», wie Sibylle Berg einmal treffend bemerkte. Auch ich. Und zwar meinen neuen Roman «Die Katzen von Kapsali».

ISBN 978-3-9502890-2-2 / 110 Seiten, broschiert / € 14.- / CHF 25.-

Versandkostenlos zu beziehen bei: verlag@songdog.at oder im Buchhandel.

Stimmen zum Buch:

«Hab deine Katzen von Kapsali in einem Ritt durchgelesen. Hut ab. Ganz
starkes Buch. Und eins der wenigen, die man mehrmals lesen kann und will.»

Florian Günther, Berlin.

«Die Katzen von Kapsali sind wunderbar.» Peter Linimayr, Thailand

«…ein schönes, kleines großes Zeitgemälde…» Peter Engstler, Ostheim, Rhön

«Endlich wieder ein Roadmovie von Andreas Niedermann! Hart und zärtlich, schlicht und lebensklug, spannend, witzig und bedingungslos ehrlich. Einen wie Andreas Niedermann gibt es meines Wissens heute nicht nochmal in der deutschsprachigen Literatur – er ist der Bruce Springsteen des Kurzromans.“
Alex Capus, Olten

«Da ist Dir wirklich was Großes gelungen. Chapeau! Eine Miniatur, die es in sich hat. Tolles understatement, cool erzählt. I love it.» Klaus Bittermann, Berlin

» …die katzen von kapsali? erinnern mich an die besten zeiten der beat- und
pop-literatur… ich habe mich super amüsiert…»
Christoph Bauer, Schweiz


Ich arbeite noch daran

Meine ältere Tochter, sie wird 13, liest viel. Ihr geht der Lesestoff aus. Sie findet die Bücher aus der nahen Bücherei: Bubi. Oder sie hat sie bereits gelesen. Ich lasse meinen Blick über meine paar hundert Bücher schweifen. Na ja. Sie hat es bereits mit Cormac McCarthy versucht, aber den brach sie ab, weil sie ihn nicht mehr verstand. Jetzt liest sie zum zweiten oder dritten Mal Orwells Farm der Tiere. Auch gut. Als ich so alt war wie sie, hatte ich meine lange Western-Groschenheft-Phase. G.F. Unger. Lassiter et alii.

Jawoll. Und wenn sich die Lady Sorgen um den Helden machte, wusste man, jetzt hat es sie erwischt. Sie ist verliebt. Auch einige meiner Freunde lasen Western. Einer ist heute ein berühmter Regisseur und bekam neulich den Grimme-Preis für einen Krimi auf Amrum. Ich wollte so sein wie Lassiter: Wortkarg, stark, schmalhüftig und breitschultrig, ein Mann, der sein Wort hielt, auf den man sich verlassen konnte, einer, der nie klein bei gab, einen verdammten Weidezaun ziehen konnte, und nicht jammerte, wenn er mal schlechte Karten hatte. Genau so einer. Und ehrlich auch, und gerade heraus. Ein Kerl, der es mit vielen aufnehmen konnte, aber gerecht, und mit dem Herz auf dem rechten Fleck. So einer eben.

Daran hat sich eigentlich nichts geändert. Ich arbeite immer noch hart daran.

Masos

Untersuchungen haben ergeben, dass Menschen, die gerne Chillis essen, jene Schärfe am angenehmsten empfinden, die sie gerade noch aushalten können. Der untersuchende Wissenschaftler kam zum Schluss, dass so ein Verhalten nur als Masochismus zu bezeichnen ist.

Die Österreicher geben nichts auf Schärfe. Aber dafür mögen sie es, wenn ihnen politisch auf der Nase rumgetrampelt wird. Sie stehen darauf, dass die vollkommen überflüssigen Bundesländer über alle Belange des Staatswesen bestimmen (und der Bund dafür zahlt!), und tumbe Landeshauptleute die Republik in einen Bauerntrampelstaat verwandeln wollen. Das mögen sie. Da kann man ja nicht auch noch scharf essen, oder?

Jeder Tag ein Sonntag

Ein Dienstag wie ein Sonntag. Eine Woche wie ein Sonntag. Ein Monat Feiertag. Ein Jahr lang Sonntag. Ein Leben lang? Das wäre ein Renner. Und eine Wohnung im «Hundertwasserhaus», das hier Abertausende für Architektur halten. Wiener sein, und in Mödling wohnen. Und alle Tage Sonntage. Das wär’s. Dafür lohnte sich noch zu leben.

So, ich begebe mich an den Herd und produziere äußerst aufwändig «Spätzle» aus Dinkelteig. Mit einem Hauch Zimt. Und schon bald naht, mit Riesenschritten, die Zeit, die erst am 7. Januar ihr Ende findet. Die fürchterliche Einöde der «Festtage», die Redundanz at its best, alle Jahre wieder, derselbe abgestandene Seim den sich alle mit Punsch schönsaufen und glauben möchten, es sei Ambrosia, dabei ist es nichts anderes als die zum Himmel stinkende Unfähigkeit eine überkommene Scheusslichkeit in den Orkus zu spülen.

Aber die Spätzle werden sehr gut werden…

Passt mir nicht

Der Schriftsteller Harry Mulisch ist tot. Ich habe keines seiner Bücher gelesen. Ich könnte es nachholen, wenn ich wollte. Aber er sagte etwas, dass mir nicht gefiel, etwas, das viele erfolgreiche, reich gewordene Autoren in die Mikrofone diktieren: «Ich würde auch schreiben, wenn ich damit keinen Erfolg hätte.»

Daniel Kehlmann sagte es auch. Das passt mir nicht. Ich frage mich, warum sie es sagen? Wollen sie uns versichern, dass sie keine Hochstapler sind? Dichter, die nur so tun, als würden sie mit Blut schreiben, derweil ihr Füller mit billiger roter Tinte gefüllt ist? Dass ihre Lügen nicht vom Herzen, sondern aus der Buchhaltungsabteilung ihrer Schreibfirma strömen?

Der große amerikanische Romancier Raymond Chandler sah die Sache völlig anders. Er wollte gewissermaßen ein Amateur bleiben, jederzeit in der Lage, mit dem Schreiben aufhören zu können. Falls es ihn zu ruinieren drohte. Und leicht hatte er es nicht. Er hockte irgendwann, nach einer abverreckten Karriere als Manager einer Ölfirma, in Hollywood und schrieb an Drehbüchern idiotischer Geschichten, wie «Der Fremde im Zug» von Patricia Highsmith, Stories, die sein Gespür für Charaktere und und seinen Sinn für Kausalität beleidigten. Auch John Fante erschrieb sich seine Miete mit Drehbüchern, und seine wunderbaren Romane wurden erst entdeckt, als Charles Bukowski die Trommel dafür schlug. Aber da lag Fante bereits schwer zuckerkrank und blind im Hospital und diktierte seinen letzten Roman.

Charles Willeford, der seinen Durchbruch kurz vor seinem Tod mit den 4 Hoke-Mosley-Kriminalromanen hatte.

Vielleicht ist Schreiben ein Laster.

Im wunderbaren, kleinen Film «Pofonok» von Men Lareida, wird uns die Welt von ungarischen Preisboxern nahe gebracht, der hermetische Kosmos von Jungs, die täglich in den Gyms trainieren und auf Kämpfe hoffen, auf Einladungen aus Wien zum Beispiel, um sich so den einen oder anderen Schein zu erkämpfen. Es sind Kämpfe, die sie nicht gewinnen werden. Bleiben sie auf den Beinen (und das werden sie!), verlieren sie nach Punkten gegen einen oft schlechteren Mann, der sein Heimpublikum im Rücken hat. Das alles hat nichts mit dem Klitschko-Fernsehboxen-Gedöns zu tun. Aber der Schmerz ist echt. Und auch das Blut und der Schweiß, die mitunter bis in die Bierbecher der Zuschauer spritzen.

Ich glaube, ich werde keines der wichtigsten Bücher von Harry Mulisch lesen.

Elegie an Halloween

«Ich spucke auf das Edle und auf jene, die es in nichtiger Weise bestaunen, wenn es keine Lust erzeugt.» (Epikur)

Ich schätze mal, dass ich der einzige Mensch in diesen Breitengraden bin, dem die Redundanz des Literaturbetriebs auf die Nerven fällt. Kaum zappt man sich mal in eine Lit.-Sendung ein, so fallen auch schon die gängigen Namen, jene, die einem auch schon ins Auge sprangen, als man die Zeitung aufschlug. Aber hier steht natürlich der Neid Pate, und im Grunde weiß ich, dass es mir noch mehr missfallen würde, wenn dort Bücher von Autoren besprochen würden, die mir schwer am Herzen liegen und deren Werk ich bewundere. Es ist dann ein wenig so, als müsste man einen hart ausgebuddelten Schatz plötzlich mit 10000 zufällig vorbei stolpernden Spaziergängern teilen. Das gefällt mir ebenfalls nicht. Man sieht: Es st nicht ganz einfach.

Dann geh ich ins Netz und werfe einen Blick auf die Heimseite des Gesichtsbuchs und dort erhascht mich ebenfalls der Neid und dann der Depro, und ich weiß nicht mal warum. Vielleicht weil da überhaupt nichts drin ist? Nichts, außer dem vielstimmigen elektronischen Gewisper, dem Geräusch das atomisierte Partikel erzeugen, wenn sie zwischen Null und Eins hin und herflickern. Vielleicht. Normalerweise begeb ich mich dann auf den Weg ins Geisteszentrum, aber heute ist trainingsfrei. Der HImmel ist grau, und der Wind hat der Linde bereits das letzte Blatt vom Ast gerissen, und dann lese ich noch, dass der Schauspieler Bruno Ganz fürchterliche Angst vor dem Tod hat. Das wiederum finde ich gut. Aber warum ich das tue, weiß ich auch nicht so genau, nur diffus, wie so viele andere Dinge. Ja, das Diffuse. Diese Gefühle. Empfindungen. Abneigungen. Verletzungen. Versagte Anerkennung. Mannsein, jawoll, warum nicht?

Denn ich lese wieder mal Nick Tosches Buch «Muddy Waters isst selten Fisch», Artikel, Reportagen, Interviews, ein Autor für den mein Herz schlägt wie kaum für einen anderen, und der in «Ödipus Tex» eine Männergruppe schildert die in einem Camp ihre Männlichkeit sucht, ja nachgerade Erlösung, und er, der Reporter Tosches, ihnen seine Story eines akuten Impotenzanfalls auftischen wollte, und dann von anderen die allertraurigsten Geschichten zu hören bekam, dass er, der coole Tosches um sie weinen wollte. Weinen um diese Männer, die von ihren Vätern vergewaltigt, zum Spaß erhängt, gedemütigt, geschlagen, verprügelt wurden; und später, als sie dann selber Väter waren, der Vater daherkam und  ihre Tochter vergewaltigte. Tosches: «Um manche diese Männer möchte ich weinen. Ich kapiere nicht, warum sie ihre Väter nicht umgebracht haben. Andererseits weiß ich aber auch nicht, wie das ist, wenn man fühlt, was sie gefühlt haben.»

Mehr Mitgefühl ist nicht möglich.

Somit wären wieder am Anfang. Nick Tosches Bücher werden hierzulande keine Renner. Sorry, Nick, aber das ist mir nur recht. Aber mein Freund Dobler liebt ihn auch. Er hat sogar das Nachwort dazu geschrieben.

Und außerdem ist «Hello Wien», und meine kleine Tochter hat beim Versuch «Grufties» zu sagen, einen neuen Ausdruck kreiert: «Knuffties». Yeah!

Spiegelbilder

«Da wandte ich mich, zu betrachten die Weisheit und die Tollheit und die Torheit.» (Prediger Salomo 1.2.12)

Die Spiegel im Geisteszentrum lügen. Sie schmeicheln mir. Sie zeigen mich aber genauso, wie ich mich fühle: Größer. Schlanker. Muskulöser. Stark. Für mein Alter in Topverfassung. Ich traue ihnen nicht. Denn ich schätze, Spiegel die mich (und die anderen), kleiner und dicker erscheinen ließen, wären dem Geschäft abträglich. Aber es besteht die Möglichkeit – sie ist nicht allzu groß, zugegeben -, dass alle anderen Spiegel lügen, jene, die mich nicht so vorteilhaft aussehen lassen. Immerhin fühle ich mich genauso, wie ich im Spiegel des Geisteszentrums reflektiert werde. Schwierig. Irgendwie. Denn wir sind nicht in der Lage uns von außen zu sehen, und selbst das Kameraauge lügt, und produziert letztendlich eine Vorstellung des Fotografen. Bildern ist nicht zu trauen. Bilder sind Abbilder.

Aber ich glaube sowieso nur ans Schreiben.

Lernt kochen

«Ist’s nun nicht besser für den Menschen, dass er esse und trinke und seine Seele guter Dinge sei bei seinem Mühen? (Prediger Salomo 2.3.24)

Gefängnisrevolten im Film, und vielleicht auch in Wirklichkeit, nehmen ihren Anfang in der Kantine. Einer meckert über den Fraß, und los geht’s. Wenn das Fressen nicht stimmt, stimmt in Gemeinschaften – freiwilligen oder erzwungenen, nicht mehr viel. Wenn in Kindergruppen, in Horts, Ferienlagern und All-inclusive-Hotels Konflikte ausbrechen, werden sie meist über das Essen artikuliert. Essendiskussionen sind das untrügliche Zeichen dafür, dass der Wurm drin ist. Wenn der Fraß in Ordnung ist, ist (fast) alles in Butter.

Das ist interessant, und nicht verwunderlich. Aber ich sage nicht warum… Lernt kochen.

Irischer Dichter

«Alles Mühen des Menschen ist für seinen Mund, aber sein Verlangen bleibt ungestillt.» (Prediger Salomo, 6.7.7)

Als ich mich heute, schwer beladen mit leeren Flaschen, zum Elisabethplatz begab, wo ich mir die letzten Zeugen meiner seichten Ausschweifungen vom Hals schaffen wollte, dachte ich bei mir: Es wär doch fein ein irischer Schriftsteller zu sein. Als Andrew McNyman, genannt «Andy the drinking eye», würde ich launige Stories über mein launiges Leben als trinkenden, rauchenden, musizierenden und ewig Berauschten zum Besten geben; dort drüben, im Pub, wo ich mich in aller Ruhe süß vergiften würde, und derweil den schönen Ladies auf die Hintern kucken.

Aber es ist nicht, wie ich es will. Dafür sah ich ein paar Möbelpacker, die nach den Regeln der Kunst einen Laster beluden, und da musste ich daran denken, dass ich selber mal ein solcher Kerl war. Es war eine gute Zeit, mit gutem Geld für harte Arbeit, und der Einsicht, dass sich kaum je mal einer verbesserte, sondern fast alle von Groß nach Klein umzogen, und dass sich niemand einzubilden brauchte, er sei ein Individuum und etwas einzigartiges, denn die verdammten Steckdosen waren in allen Wohnung am gleichen Platz, links und rechts, wo die Nachtkästchen zu stehen kamen. Ich vermochte nicht mehr einzusehen, warum die einen ihren Krempel aus der einen, und die anderen ihren aus der anderen Wohnung schleppen ließen, denn sie besaßen fast idente Sachen, wobei der eine ein Klavier hatte, und der andere eine Topfpalme aus Hartgummi.

Aber ich war jung und schön und stark und hatte Geld in Taschen und mächtigen Appetit. Auf alles und jede.

Zum Teufel mit den irischen Dichtern!