Es ist einfach schön

Deutschland hat allen gezeigt, dass es nicht gewillt ist, Österreich zu werden. Das ist einfach schön. Wenn es Deutschland nicht gäbe, man müsste es erfinden. Für uns wenige Viele, die wir immer noch nicht in der Lage sind, Betrug als common sense, Lüge als Bedingung, Anstand als «Nach-ihnen-bitte»- Entbietung (wenn es darum geht in die Staatskasse zu langen) zu verstehen. Es ist einfach schön, dass man einen Blinker als Blinker entlarvt, sein Geschwurbel (dass viele Bildzeitung-Leser als geschliffenes Deutsch missverstehen) nicht unwidersprochen hinnimmt, und als gesättigte Cumuluswolke der Ausreden und Abputzerei erkennt.

Und es ist schön, dass die «Bild» nun doch nicht die «Krone» machen kann. Es ist schön.

Und es ist schmerzlich. Schmerzlich, weil es einem in deprimierender Eindringlichkeit klar macht, dass es in dem kleinen, hoffnungslos korrumpierten, sich auf dem Weg zur Berlusconisierung befindenden Österreich, niemals so gekommen wäre. Mai, jamais, never! Die ÖVP hätte den Mann nur schon als Machtdemonstration im Amt belassen. Denn diese Burschen und Mädchen halten Anstand und Aufrichtigkeit für eine Kardinaltugend. Die sich die anderen gefälligst zu eigen machen sollen. (Siehe CSU)

Gerade muss der Chef der «Fiker» (Freiheitliche in Kärnten) der Scheuch Uwe, vor den Richter, weil er einem reichen russischen Was-weiß-ich-was gegen eine Millionenparteispende die Staatsbürgerschaft angetragen hat. (Davon gibt es einen Tonbandmitschnitt.) Er wird frei und gestärkt aus der Sache herauskommen (wie die Kleptokraten der Hypobank, der steuerhinterziehende Ex-Finanzminister), und die den Grünen Holub zum bitteren Ausspruch: «Dieses Land kann einer auch aus dem Gefängnis heraus regieren.» inspirierte. Aber so was hält man hierzulande für Ironie …

55-Wort Stories Vl.

Dany stand am Fenster, starrte in die Nacht. Etwas quälte ihn. Er hatte etwas gewollt, und er hatte es bekommen. Er wollte es nicht mehr. Warum war das so? Die Buddhisten hatten recht: Nicht begehren. Man soll sein wie die Nacht, die kam und wieder ging. Spurlos. Irgendwann spürte Dany, dass die Frau weg war.

55-Wort Stories V.

Dany sass auf einem Hügel und blickte zum Camp hinunter. Die Sonne brannte, und die Fremdenlegionäre robbten durch den Parcours. Am Abend hockten sie in den Lastwagen. Schweigend, schwitzend, scharf. Die nächtlichen Straßen waren voll von Legionären und Huren. Am nächsten Morgen ging Dany mit einem Swingerpärchen schwimmen, und schnorchelte zwischen den Beinen der nackten Frau.

55-Wort-Stories lV.

«Sind das Naturmuskeln?» fragte Eva. «Nein», sagte ich, «das sind schadhafte Brustimplatate aus Dr. Bustius Tittenfabrik.» Sie griente, aber ich ließ meine Bizepsimplatate spielen und ruderte sie zum Auftritt auf dem Hauptschiff. An der Reling wartete ihre Geliebte. Tage später wurde es publik: Eva und der Lover des Intendanten. Verliebt. Beim Theater ist immer was los.

55-Wort-Stories lll.

Als er sich versäuberte, verlor er den Verstand. Es war, als würde ein Damm brechen. Er verstand nicht mehr, was er da gerade tat, bekam rasende Kopfschmerzen und kippte vornüber. So fanden sie ihn: Ein Stück Klopapier in der Falte. Er lallte sinnlose, schmerzliche Worte. Seine Frau hatte es kommen sehen, wusste aber nicht wieso.

Die Verösterreicherung Deutschlands

Deutschland unterschied sich nicht nur durch die gemeinsame Sprache von Österreich, sondern auch -sehr wohltuend – durch eine hochstehende Rücktrittskultur bei Politikern, Wirtschaftskapitänen und Beamten. Verglich man in dieser Hinsicht die beiden Länder, so war es, als würde man Beethovens Symphonien dem Trommelkursus einer Männerselbsthilfegruppe gegenüberstellen. In Österreich ist es wie in einer stillgelegten U-Bahnstation: Da tritt niemand zurück.

Aber damit ist jetzt Essig. Seit Guttenberg – der lügenhafte Dieb geistigen Eigentums, der Adlige mit dem Grasserfimmel (immer nur soviel zugeben wie man ihm auch nachweisen kann), der schneidige Minister mit der unsichtbaren Reitgerte-, eben nicht zurücktritt.

Auch Deutschland wird wohl nun katholisch und berlusconisiert. Und «Bild» macht die «Krone», schielt auf die Umfragen, kampagnisiert und schreibt sich den Plagiator und Plaudermann schön. Eine Art «Fox News» der Printmedien.

Aber so ist die Gier: Unersättlich. Wenn man schon Papst ist, will man auch noch Kaiser sein.

Servus, Deutschland!

Traurige 55-Wort-Stories ll.

Die Prärie ist heute besonders unendlich, dachte Kate, als sie aus dem Fenster sah. Der Horizont glühte, die untergehende Sonne verschmolz Himmel und Erde. Sie hatte eine solche Sehnsucht. Aber nirgends eine Staubwolke. Nur der dicke Hank trieb ein hinkendes Kalb über den Hof. Aber der hatte Schweißfüße. Eigentlich sollte Kate das gar nicht wissen.

Traurige 55-Wort-Stories

Wenn Zorc keinen Platz zum Schlafen hatte, sagte Fred, er könne beim ihm auf der Couch «blatten». Zorc nächtigte nicht gern bei Fred, denn der war ein Schriftsteller, der nichts mehr schrieb. In der dreckstarrenden Küche stand eine alte Schreibmaschine. Seit Monaten war dasselbe Blatt eingespannt. «Monika,» stand drauf. Sie tranken Bier und schliefen schlecht.

Sprachbilder

Eine neue Metapher ist im Umlauf: «Seine Tage sind angezählt». Gelesen in der «Zeit», gehört im Fernsehen. Überhaupt toll, was da alles kursiert. Kaum mehr jemand, der die Sprachbilder richtig zusammenkriegt. Macht ja nichts. Wir wissen eh, was gemeint ist. Und interessieren tut’s auch nur Nachbars Lumpi oder die nächste Sau, die durch die Grube geworfen wird…

«… Damit hatte er sich eine zweite Standschiene eruiert, und konnte endlich mit harten Handtüchern fighten. Denn das Geschäft lief wie durch ein Nadelöhr. Den Zulauf der Kundschaft verdankte er vor allem seiner Mutti, die immer wieder in die Grube gesprungen war, wenn gerade Not im Ring war. Aber das kennt wohl jeder, der sich mit der Materie beschäftigt und nicht den Kopf in den Wald steckt, wo der Himmel voller Alarmglocken hängt, falls er den Mut aufbringt über seinen Schatten hinauszuwachsen. So ist es doch: Die dümmsten Bauern hängen eben am längeren Hebel, dagegen ist ein Quantensprung nur eine zottlige Anekdote die keinerlei Relativtität besitzt, und gegen die noch kein Kraut geraucht wurde. Wir können von Glück reden, wenn es nicht Pech und Schwefel regnet oder Katzen, Hämmer und all so’n Zeuch. Danke für’s Zubrot, dass ich mir auf diesen steinigen Pfründen abschwingen kann!»